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Stärkung der psychosozialen Gesundheit von Binnenvertriebenen im bewaffneten Konflikt von Kolumbien

© action medeor / A.F. Hoyos

Kolumbien ist das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg, bewaffnete Gruppen, organisierte Kriminalität, soziale Ungleichheit und Korruption haben großen Einfluss auf das tägliche Leben der kolumbianischen Bevölkerung: mehr als fünf Millionen Menschen sind laut Angaben der Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Aufnahme von mehr als einer Million Geflüchteten aus dem Nachbarland Venezuela verschärft die angespannte Situation zusätzlich.

Ein Alltag zwischen Vertreibung und bewaffnetem Konflikt

Das Projektgebiet in den Provinzen Cauca und Valle del Cauca ist stark vom anhaltenden bewaffneten Konflikt betroffen: viele Familien sind vertrieben worden, vor allem indigene Frauen und Jugendliche erleben oft Gewalt, kennen ihre Rechte nicht und haben keinen Zugang zu psychosozialen Gesundheitsdienstleistungen, Entschädigungsmechanismen oder rechtlicher Beratung.

Besonders Jugendliche befinden sich häufig ohne Chancen auf Ausbildung. Viele treibt diese perspektivlose Situation in die Hände von bewaffneten Gruppen.

Bewährte Zusammenarbeit

action medeor und die lokale Organisation Taller Abierto führen bereits seit mehr als zehn Jahren gemeinsam Projekte in Kolumbien durch. Seit 1992 setzt sich die Partnerorganisation für die Förderung und Stärkung von Frauen und Jugendlichen aus armen Bevölkerungsschichten ein.

Ein im Februar 2019 erfolgreich abgeschlossenes gemeinsames Projekt hatte das Ziel, die Integration der Binnenvertriebenen voranzutreiben und Beratungsstellen für die Überlebenden von Gewalt zu schaffen. In dem Projekt, das sich besonders an indigene und afrokolumbianische Bevölkerungsgruppen richtete, wurden unter anderem Promotorinnen weitergebildet, die Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen durchführen. Das aktuelle Projekt baut auf den Aktivitäten und Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt auf.

Fortbildung von Gesundheitspromotor*innen

Um das Wissen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Gewaltlosigkeit gegenüber Frauen und Jugendliche sowie Friedenskultur in den Gemeinden zu verbreiten, werden im Rahmen des Projektes 680 Frauen sowie 100 Männer zu Gesundheitspromotorinnen und Gesundheitspromotoren ausgebildet.  Ein neuer Fokus wird dabei auf psychologische Ersthilfe gelegt. Darüber hinaus finden Fortbildungskurse mit bereits im vorherigen Projekt ausgebildeten Gesundheitspromotor*innen statt.

Weitere Schulungen werden speziell für Jugendliche durchgeführt: hier werden sie über Themen wie sexuelle Gesundheit, Gewaltprävention, Konsum psychoaktiver Substanzen, gewaltfreie Maskulinität und Friedenskultur aufgeklärt und führen im Anschluss eigene Aufklärungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen zu diesen Themen durch, um das Bewusstsein für Gesundheit, Gewaltfreiheit und Frieden innerhalb der Gemeinden zu stärken.

Um auch die Menschen in entlegenen Gebieten der Region zu erreichen, wird ein Radioprogramm für einen indigenen Radiosender produziert und einmal pro Woche ausgestrahlt. Thematisiert werden Fragen im Zusammenhang mit SRGR, Gewaltlosigkeit, Friedenskultur und Verhalten von Gemeinschaften für ein gutes Leben.

Psychosoziale und rechtliche Beratung

Im Projekt erhalten weibliche Binnenvertriebene, Rückkehrerinnen und Frauen der Aufnahmegemeinden sowie ihre Familien psychosoziale und rechtliche Beratung und Betreuung.

Die im Vorgängerprojekt ausgebildeten Gesundheitspromotor*innen äußerten den Bedarf an der Gründung von Familienräten in den indigenen Gemeinden. Die Familienräte sind Anlaufstellen zur Prävention und Begleitung von Fällen sexualisierter Gewalt in den Gemeinden. Außerdem sensibilisieren sie die indigene Bevölkerung unter anderem für ein friedliches Zusammenleben und die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Um die Akzeptanz der Familienräte in den indigenen Gemeinden zu fördern, finden monatliche Treffen mit traditionellen Behörden, indigenen Autoritäten und vor Gemeindeversammlungen statt.

Perspektiven schaffen: Einkommensförderung und berufliche Orientierung

Um die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen im Projektgebiet zu steigern, werden im Rahmen des Projektes Schulungen für Frauen durchgeführt, in denen unter anderem Kenntnisse zu Themen wie Buchhaltung vermittelt werden.

Außerdem werden junge Menschen nach ihrem Schulabschluss dabei unterstützt eine Berufsausbildung zu erlernen oder einen Studienplatz aufzunehmen.

Projektinformationen

Projektinhalt
Stärkung der Selbsthilfekräfte und psychosozialen Gesundheit von Binnenvertriebenen im Kontext des bewaffneten Konflikts in Cauca und Valle del Cauca in Kolumbien
Zielgruppe
Direkt: 6.700; Indirekt: 112.000 überwiegend (indigene) Frauen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sowie durch Vertreibung betroffene Opfer des bewaffneten Konflikts
Projektgebiet
Kolumbien, Departments Cauca und Valle del Cauca
Projektbeschreibung
- Fortbildungen von Gesundheitspromotor*innen - Aufklärungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen zu den Projektthemen (Gesundheit, Gewaltfreiheit, Friedenskultur) - Rechtsberatung und psychosoziale Beratung für Jugendliche, Frauen und ihre Familien - Etablierung von Familienräten in den indigenen Gemeinden sowie Stärkung lokaler Strukturen und Anbindung an staatliche Stellen - Bildung und Schulung von Schulkomitees - Advocacy-Treffen, Förderung der indigenen Jugendbewegung und Partizipation am Friedensprozess - Einkommensförderung für Frauen und berufliche Orientierung für Jugendliche - Capacity Building-Maßnahmen für Taller Abierto
Projektlaufzeit
Juni 2019 - Dezember 2021
Projektvolumen
922.222 Euro
Partner
Taller Abierto
Projektförderer
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bistum Aachen
Projektnummer
6000205
Projektverantwortlicher
Christina Padilla



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