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Ausbildung von Hebammen: Sicherung der Mutter-Kind-Gesundheitsversorgung im Süden von Sierra Leone

© action medeor / Evelyn Fey

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist die Müttersterblichkeit in Sierra Leone eine der höchsten der Welt, auch im Bereich der Kindersterblichkeit verzeichnet das westafrikanische Land hohe Zahlen. Im „Human Development Index“, dem Index der menschlichen Entwicklung, der Faktoren aus den Bereichen wirtschaftlicher Wohlstand, Bildung und Gesundheit mit einbezieht, belegte das Land im Jahr 2019 den 182 von 189 Plätzen.

Es fehlt an qualifiziertem Gesundheitspersonal

Das Gesundheitssystem in Sierra Leone ist stark von einem Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal betroffen. Die Situation wurde durch die Ebola-Epidemie 2014-2016 verschärft, während der viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitspersonals ums Leben kamen. Die WHO empfiehlt einen kritischen Schwellenwert von 23 qualifizierten Fachkräften (Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen) pro 10.000 Einwohner, in Sierra Leone liegt diese Zahl bei zwei.

Auch im Bereich der Mutter-Kind-Gesundheit ist dieser Fachkräftemangel gravierend: Schätzungen zufolge gibt es derzeit etwa 700 Hebammen im Land, der vom Gesundheitsministerium für 2020 gemeldete Bedarf liegt aber bei 3.000. Neben dem Mangel an Hebammen ist die Abwanderung von Gesundheitspersonal aus dem ländlichen Raum ein Problem für die Gewährleistung der Mutter-Kind-Gesundheitsversorgung in den ländlichen Gebieten. Etwa 65% der Hebammen arbeiten in städtischen Zentren, obwohl mehr als Zwei Drittel aller Schwangerschaften in ländlichen Regionen stattfin-den.

Gründung einer Hebammenschule in Bo

Um die Zahl der Hebammen im Land, insbesondere in ländlichen Gebieten, zu erhöhen, gründete action medeor ge-meinsam mit Caritas Bo im Jahr 2017 eine Hebammenschule in Bo im Süden von Sierra Leone. Zuvor existierten nur zwei Hebammenschulen im Land, eine im Norden und eine in der Hauptstadt im Westen.

Jedes Jahr werden 50 Hebammenschüler:innen für die zweijährige Ausbildung aufgenommen, die aus Theorie- und Praxisunterricht besteht. Für die ersten Ausbildungsjahrgänge wurden Studiengebühren und Lebenshaltungskosten durch Programme finanziert. Durch Beendigung dieser Programme besteht das Risiko, dass einige Bewerber:innen die Ausbildung nicht finanzieren können.

Das Projekt: Förderung der Hebammenausbildung

Um die Hebammenausbildung in Sierra Leone weiter zu fördern und bereits erzielte Erfolge zu festigen, starten action medeor und die Caritas Bo im Jahr 2021 ein Anschlussprojekt.

Im Rahmen dieses Projektes sollen bis Dezember 2023 weitere 150 staatlich zertifizierte Hebammen für den ländlichen Raum ausgebildet werden. Um diese Ausbildung auch Bewerber:innen mit begrenzten finanziellen Ressourcen zu er-möglichen, erhalten 100 Schüler:innen Stipendien zur Finanzierung der Schulgebühren und einem Beitrag zu den Lebenshaltungskosten. Zudem soll gezielt der spätere Einsatz der Absolvent:innen in ländlichen Gebieten eingesetzt werden.

Eine weitere Projektkomponente besteht darin, die Qualität der Hebammenausbildung weiter zu verbessern: hierfür werden unter anderem Trainings für die Direktorin der Hebammenschule sowie für fünf Ausbilder:innen durchgeführt, aber auch vierteljährlichen Monitoringbesuche und Mentoring für Praxisanleiter:innen und Schüler:innen während der Praxiseinsätze eingeführt.

Zudem werden praktischen Übungen zur Behandlung und Überweisung von Komplikationen mit in den Lehrplan aufgenommen.

Die dritte Komponente des Projekts konzentriert sich auf Stärkung des MDSR-Systems im Projektgebiet (Maternal Death Surveillance and Response = System zur Überwachung und Senkung der Müttersterblichkeit). Hierzu wird zum Projekt-beginn eine Studie durchgeführt, um aktuelle Daten zur Müttersterblichkeit zu erhalten. Aus dieser Studie werden Emp-fehlungen erarbeitet, die auch in die Lehre der Hebammenschule in Bo einfließen sollen. Zudem werden vierteljährliche Gemeindetreffen durchgeführt, um für Maßnahmen der Mutter-Kind-Gesundheit zu sensibilisieren.

Projektinformationen

Projektinhalt
Sicherstellung der Mutter-Kind Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten Sierra Leones durch die Ausbildung von Hebammen in der Südprovinz
Projektgebiet
Bo, Sierra Leone, Südprovinz
Projektlaufzeit
Januar 2021 - Dezember 2023
Projektvolumen
300.236 Euro
Partner
Caritas Bo
Projektförderer
Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS)
Projektnummer
6000217
Verantwortlich für
das Projekt
Vanessa Hugo



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