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Aufbau eines Beratungszentrums für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in Guatemala

Obwohl das Recht auf ein Leben frei von Gewalt und Diskriminierung in internationalem und nationalem Recht verankert ist, ist geschlechtsbasierte Gewalt in Guatemala allgegenwärtig. Die Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen hat negative Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit, zerstört die Grundlagen des Zusammenlebens und das Vertrauen der Gemeinden und führt zum Aufbau von Stigmata und Traumata.

Risikofaktoren wie hohe Kriminalitätsraten, soziale Akzeptanz und Normalisierung von Gewalt, patriarchalische gesellschaftliche Normen und einhergehende Geschlechterungerechtigkeit begünstigen den Anstieg von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Guatemala. Öffentliche und auch private Anbieter von Dienstleistungen in der Gewaltprävention und –intervention sind kaum vorhanden und zumeist unterfinanziert. Insbesondere indigene Frauen und Mädchen sind sich ihrer Rechte oftmals nicht bewusst und haben keinen Zugang zu dringend benötigten unterstützenden Angeboten.

Starke Partnerschaft: die Asociación PIES de Occidente

Bereits seit 1994 setzt sich die lokale Partnerorganisation Asociación PIES de Occidente für die Verbesserung der Gesundheitssituation der Menschen im westlichen und südlichen Hochland von Guatemala ein. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Unterstützung der indigenen Gemeinden, mit denen PIES bereits seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Die Zielgruppen aktiv in die Projektplanung und –durchführung einzubeziehen ist dabei ein wichtiger Grundsatz der Arbeit von PIES – so wird die Zielgruppe gestärkt und die Nachhaltigkeit der Projektmaßnahmen gewährleistet. Bereits seit dem Jahr 2000 arbeitet action medeor in verschiedenen Projekten erfolgreich mit PIES zusammen.

Aufbau eines Beratungszentrums

Um betroffene Frauen und Mädchen zukünftig besser betreuen und beraten zu können, wird im gemeinsamen Projekt von action medeor und PIES ein Frauenberatungszentrum (CAIMUS) in der Stadt Totonicapán eingerichtet. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Als Teil des Projektes wird zur erst ein Gebäude renoviert, das von der Bezirksregierung zur Verfügung gestellt wird, und es werden die notwendige Möbel, Geräte, Medikamente und medizinischen Utensilien angeschafft.

Umfassende Versorgung von Gewaltopfern im CAIMUS-Zentrum

Im Zentrum arbeitet ein Team, bestehend aus einer Ärztin, einer Psychologin, einer Sozialarbeiterin, einer Anwältin, einer Rechtsberaterin und einer Sekretärin, die alle neben Spanisch auch die indigene Sprache Kich´e sprechen. Somit erhalten die indigenen Frauen und Mädchen in Totonicapán eine dringend benötigte Anlaufstelle, an die sie sich in ihrer Muttersprache wenden können. Die Fälle von Gewalt werden in dem Zentrum registriert und die Betroffenen über ihre Rechte und Möglichkeiten aufgeklärt. Das Angebot reicht von medizinischer und psychologischer Betreuung über soziale Beratung bis zu juristischer Hilfe für die Betroffenen, um sie zu unterstützen den Zyklus der Gewalt zu durchbrechen.

Auch telefonisch wird das CAIMUS-Zentrum rund um die Uhr für betroffene Frauen erreichbar sein. Somit können sich die Frauen und Mädchen auch anonym einen Rat holen und Unterstützung erhalten.

Gründung und Begleitung von zwei Selbsthilfegruppen

Im Rahmen des Projekts  werden im CAIMUS-Zentrum außerdem zwei Selbsthilfegruppen für Frauen und Mädchen gegründet, die Gewalt aufgrund ihres Geschlecht erlebt und überlebt haben. Die Gruppen werden professionell von einer Psychologin begleitet und bieten die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Lösungswege zu finden. Die Selbsthilfegruppen fördern das Selbstwertgefühl und die Autonomie der überlebenden Frauen und bestärken sie darin, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Einkommensschaffende Maßnahmen für weibliche Opfer von Gewalt

Da viele Frauen auch finanziell von ihren gewalttätigen Partnern und Familienangehörigen abhängig sind, werden mindestens 100 Frauen, die vom CAIMUS-Zentrum betreut werden, an Schulungen zu einkommensschaffenden Maßnahmen teilnehmen können. Durch die qualifizierten Weiterbildungskurse erhalten sie wirtschaftliche Selbstständigkeit und Anerkennung, damit sie eine Zukunftsperspektive für sich und ihre Kinder haben.

Projektinformationen

Projektinhalt
Etablierung eines multidisziplinären Beratungszentrums für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in Totonicapán
Zielgruppe
Direkt: 2010 Indirekt: 200.000 Fast alle Mädchen und Frauen der Zielgruppe gehören der ethnischen Gruppe der Maya-K'iche an und über die Hälfte von ihnen wohnt in ländlichen Gebieten. Mehr als drei Viertel der indigenen Frauen und Kinder sind dort von Armut betroffen.
Projektgebiet
Department Totonicapán, zentrales Hochland im Südwesten Guatemalas
Projektbeschreibung
- Etablierung eines Frauenberatungszentrums für Opfer von Gewalt (CAIMUS) in Totonicapán - Capacity Building für das Personal zu den Angeboten des Beratungszentrums - Medizinische, psychologische, soziale und juristische Hilfe für Opfer von Gewalt im Beratungszentrum - Gründung von Selbsthilfegruppen für Opfer von Gewalt - Teilnahme am nationalen CAIMUS-Netzwerk (Advocacy) - Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne zu Gewaltfreiheit und den angebotenen Unterstützungsangeboten in der Region (u.a. durch Infomaterial und Radiospots) Durchführung einer Wirtschaftlichkeitsstudie und Einkommensschaffende Maßnahmen für weibliche Opfer von Gewalt
Projektlaufzeit
Juni 2019 – April 2022
Projektvolumen
506.100 €
Partner
Asociación PIES de Occidente (PIES)
Projektförderer
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Projektnummer
6000206
Projektverantwortlicher
Lea Ferno



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