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Aufbau einer Hebammenschule: Reduzierung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Sierra Leone

Das westafrikanische Land Sierra Leone belegte 2015 Platz 181 von 188 Ländern auf dem Human Development Index (HDI), vier von fünf Menschen leben unter der Armutsgrenze von weniger als $ 3,10 am Tag.

Die heutige Präsidialrepublik befand sich von 1991 bis 2002 im Bürgerkrieg. Die Konsequenzen und Aufarbeitung des blutigen Konfliktes, Armut und hohe Verschuldung des Staates beeinträchtigen die Entwicklung des Landes. Der bisher schlimmste Ausbruch der Ebola-Epidemie im Jahr 2014 verschärfte die Situation zudem. Dabei starben in Sierra Leone 3.800 Personen, mehr als 12.000 infizierten sich.

Das Gesundheitssystem Sierra Leones ist von einem kritischen Mangel an ausgebildetem Gesundheitspersonal aller Fachrichtungen geprägt. Nur 190 Ärzte stehen landesweit für 5,3 Millionen Menschen zur Verfügung, darunter fünf Gynäkologen.

Der Ausbruch der Ebola-Epidemie im Jahr 2014 traf den ohnehin schwachen Gesundheitssektor hart: bis Januar 2015 infizierten sich 296 Gesundheitsfachkräfte, 221 von ihnen, darunter elf Ärzte, verstarben. Die hohe Todesrate schwächte das ohnehin fragile Gesundheitssystem und verstärkte den Mangel an Gesundheitsfachkräften. In der Konsequenz gehören die Mütter- und Säuglingssterblichkeit Sierra Leones zu einer der höchsten weltweit (Platz 160 von 179 laut „State of the Mothers 2015“ Report).

Im Jahr 2013 wird die Müttersterblichkeit auf 1.165 je 100.000 Lebendgeburten geschätzt, die Säuglingssterblichkeit liegt bei 92 je 1.000 Lebendgeburten. Nur jede vierte Geburt erfolgt in einer Gesundheitseinrichtung und unter Betreuung von qualifiziertem Personal, während 71,8% der Geburten zuhause stattfinden. Derzeit steht für 1.000 Lebendgeburten eine Hebamme zur Verfügung. Demzufolge besteht sowohl ein hoher Bedarf an qualifiziertem Personal zur Begleitung von Schwangerschaft und Geburt, als auch an spezifischen Aufklärungs- und Beratungsangeboten inklusive sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte und Familienplanung.

Die schwache Infrastruktur und der Mangel an medizinischem Fachpersonal und Medikamenten sind zentrale Faktoren, die bereits vor der Ebola-Epidemie zu einer hohen Mütter- und Säuglingssterblichkeit geführt hatten. Daher hatte die Regierung bereits im Jahr 2010 einen Fokus auf die Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit gelegt und besonders nach der Ebola-Epidemie einen Fokus auf Ausbildung von qualifizierten Hebammen zur Stärkung des Gesundheitssystems gelegt. Dazu gehört beispielsweise, dass in jeder öffentlichen Gesundheitseinrichtung eine Hebamme beschäftigt sein soll. Die Regierung verfolgt außerdem das Ziel, künftig in jeder der vier Regionen des Landes eine Hebammenschule zu etablieren und jedes Jahr 200 qualifizierte Hebammen auszubilden.

Aktuelle Situation der Hebammenausbildung

Es gibt landesweit zwei staatliche Hebammenschulen in Freetown und Makeni, die jährlich insgesamt circa 100 Absolventen und Absolventinnen hervorbringen. Diese beiden Institutionen verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten, den Minimalbedarf von ca. 3.000 Hebammen bis zum Jahr 2020 decken zu können. Bedingt durch ihre Standorte bilden sie bisher vor allem für den Westen und Norden des Landes aus.

Bau einer Hebammenschule in Bo

Die Stadt Bo ist die zweitgrößte Stadt Sierra Leones und liegt zentral in der Südprovinz. Bo Distrikt hat eine Population von ca. 570.000 Einwohnern. Um auch im Süden Sierra Leones Hebammen ausbilden zu können, wird action medeor gemeinsam mit dem lokalen Partner Caritas Bo eine Hebammenschule aufbauen.

Hier sollen ab Sommer 2017 jährlich 50 Gemeindeschwestern und -pfleger zu Hebammen ausbildet werden, um die verfügbaren und praktizierenden Hebammen in ganz Sierra Leone, vor allem aber in den ländlichen Gebieten der Süd- und Ostprovinz zu erhöhen und damit die Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen in dieser Region zu verbessern.

Projektinformationen

Projektinhalt
Stärkung des Gesundheitssystems in Sierra Leone im Post-Ebola Kontext durch den Aufbau und Betrieb einer Hebammenschule
Zielgruppe
Direkte Zielgruppe sind jährlich 50 Gemeindeschwestern/-pfleger (State enrolled community health nurses), die eine qualifizierte und staatlich anerkannte Ausbildung zur Hebamme in Theorie und Praxis absolvieren möchten. Indirekte Zielgruppe sind schwangere Frauen, Mütter und Kinder sowie deren Familien in der Südprovinz, die von einer verbesserten Geburtsvorsorge, -Begleitung und Nachsorge profitieren.
Projektgebiet
Sierra Leone, Bo (südliche Region)
Projektbeschreibung
Aufbau und Betrieb einer Hebammenschule mit jährlich 50 neuen Schülerinnen und Schülern
Aufbauen intensiver Netzwerke mit anderen Hebammenschulen, UNFPA, anderen Akteuren im Bereich Mutter- Kind-Gesundheit, um auf die Umsetzung nationaler Strategien und Pläne einzuwirken
Aufbau von Netzwerken mit staatlichen und kirchlichen Gesundheitseinrichtungen in der Southern Province als potenzielle Arbeitgeber für Hebammen
Identifizierung und Aufbau von Einnahmequellen zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Hebammenschule
Projektlaufzeit
Januar 2017 – Dezember 2020
Projektvolumen
1,3 Mio. €
Partner
Caritas Bo
Projektförderer
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Stefan Quandt
Projektnummer
6000187
Projektverantwortlicher
Christina Padilla
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