Aktuelle Seite:

Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Somalia

  • Slide 1
    Auf die wenigen Gesundheitseinrichtungen in der Region herrscht immer ein großer Andrang.
  • Slide 2
    Im Gesundheitszentrum Hamar Jab Jab erhalten Schwangere die notwendige Versorgung.
  • Slide 3
    Auch die Versorgung von Kindern ist eine wichtige Aufgabe des Zentrums...
  • Slide 4
    ... da die Kindergesundheit in Somalia sehr schlecht ist.
  • Slide 5
    In Zusammenarbeit mit der Organisation WARDI führt action medeor auch mobile Gesundheitskampagnen durch, die von den Menschen sehr gut angenommen werden.
  • Slide 6
    Besonders Mütter mit kleinen Kindern sind auf diese kostenlose Versorgung angewiesen.

Somalia ist geprägt von mehr als zwanzig Jahren gewaltsamen Auseinandersetzungen und chronischen humanitären Notlagen. Infolge des langandauernden Konfliktes ist die Basisinfrastruktur im Land weitgehend zerstört und die Funktionsfähigkeit staatlicher Dienstleistungsstrukturen stark eingeschränkt. Der Staat ist nicht in der Lage seinen grundlegenden Funktionen nachzukommen und belegt Platz 1 auf dem Fragile State Index.

73 Prozent der Somalier leben von weniger als $2 am Tag. Die Indikatoren im Bereich reproduktive und Kindergesundheit zählen zu den schlechtesten weltweit. So liegt die Müttersterblichkeit bei 1.200 pro 100.000 Geburten (UNFPA) und die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren bei 18 Prozent. Lediglich neun Prozent aller Geburten werden von ausgebildetem Gesundheitspersonal begleitet. Der Anteil der Frauen, die zu vier oder mehr Schwangerenvorsorgeuntersuchungen gehen liegt bei nur sechs Prozent (WHO). Die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit sind das Ergebnis von unzureichender Qualität, Verfügbarkeit und Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit, sowie schädlichem Glauben und Praktiken wie Beschneidung, Gewalt gegen Frauen und Benachteiligung von Frauen.

Zudem ist Somalia ein Hochrisikoland mit besonderer Gefährdung durch Naturkatastrophen und Klimawandel. Staatliche Anpassungs- und Bewältigungskapazitäten sind fast nicht vorhanden. Nach dem Wiedereinsatz der Übergangsregierung 2012 hat sich die Sicherheitslage in der Region Banadir verbessert. Dennoch stellt der unzureichende Zugang zu Gesundheitsversorgung aufgrund der eingeschränkten Kapazität der Regierung diese Dienstleistungen bereitzustellen, eine enorme Herausforderung dar.

Die Qualität von Gesundheitsdienstleistungen leidet unter der begrenzten Anzahl an Einrichtungen, fehlenden Medikamenten und Equipment sowie mangelnden Fähigkeiten des Gesundheitspersonals. Schlechte Regierungsführung und fehlende Kohärenz auf allen Ebenen des Gesundheitssystemmanagements leisten einen zusätzlichen Beitrag zur schlechten Servicequalität. Die schnell anwachsende Bevölkerung in der Region Banadir stellen die ohnehin schon überlasteten Gesundheitszentren, welche derzeit überwiegend von NROs betrieben werden, vor zusätzliche Herausforderungen.

Um den Zugang zu Gesundheitsversorgung insbesondere für Frauen und Kinder unter fünf Jahren zu verbessern und deren Widerstandsfähigkeit gegen externe Schocks wie gewaltsame Konflikte und Hungersnöte zu steigern, hat action medeor im August 2014 gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation WARDI ein neues Gesundheitsprojekt in der Region Banadir gestartet. Im Fokus des Projektes stehen der Wiederaufbau des Hamar Jab Jab Gesundheitszentrums und dessen Ausbau zum Überweisungskrankenhaus für Geburtshilfe.

In diesem Zusammenhang werden Geburtsstation, Kreißsaal und OP ausgebaut beziehungsweise renoviert und eine Blutbank aufgebaut. So wird sichergestellt, dass Kaiserschnitte fachgerecht und unter hygienischen Bedingungen durchgeführt werden und Blutkonserven für Notfälle zur Verfügung stehen. Außerdem werden eine Kinderstation und ein daran angegliedertes Stabilisierungszentrum für unterernährte Kinder gebaut. Zudem wird das Gesundheitspersonal des Hamar Jab Jab Gesundheitszentrums sowie drei weiterer Mutter-Kind-Zentren in der Region in verschiedenen Bereichen von sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (dazu zählen neben Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe auch Familienplanung, Umgang mit geschlechtsspeziefischer Gewalt und Beschneidung etc.) weitergebildet und erhält vierteljährliche Supervisionen. So soll sichergestellt werden, dass entsprechende Dienstleistungen in allen vier Gesundheitseinrichtungen angeboten werden und die Qualität dieser Dienstleistungen entscheidend verbessert wird.

Um die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen zu steigern und dazu beizutragen, dass mehr Frauen zu Schwangerenvorsorgeuntersuchungen gehen und im Gesundheitszentrum entbinden, werden 40 Gemeindegesundheitshelfer ausgebildet, die die Frauen zu Hause besuchen, aufklären und komplizierte Fälle überweisen. Darüber hinaus werden öffentliche Aufklärungsveranstaltungen und eine multimediale Kampagne zu verschiedenen Themen im Bereich Mütter- und Kindergesundheit und Rechten durchgeführt.

Um die noch neue somalische Regierung zu unterstützen und das Projekt auf nachhaltige Füße zu stellen, werden Mitarbeiter des somalischen Gesundheitsministeriums und entsprechender Distriktbehörden in den Bereichen Gesundheitssystemmanagement, Planung und Kontrolle geschult. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Partnerorganisation werden sie die Supervisionsbesuche in den vier Gesundheitseinrichtungen durchführen, um die Servicequalität weiter zu verbessern. Zum Projektende soll das Hamar Jab Jab Gesundheitszentrum, derzeit noch von WARDI betrieben, vollständig vom somalischen Gesundheitsministerium übernommen werden.

Mit dem Projekt wird der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte gestärkt und deren Qualität verbessert. Dies soll dazu führen, dass mehr Frauen das Dienstleistungsangebot nutzen was wiederum einen entscheidenden Beitrag zur Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit leistet. Letztlich stärkt das Projekt die lokalen Kapazitäten (von Gesundheitspersonal, Behörden und der Bevölkerung) und stärkt die Eigenverantwortung der somalischen Regierung Gesundheitsdienstleistungen bereitzustellen.

Zu diesem Projekt ist Durchführung einer Endevaluierung vorgesehen. Bei Interesse an den Ergebnissen steht die Ansprechpartnerin gerne zur Verfügung.

Projektinformationen

Projektinhalt
Wiederaufbau von Gesundheitsinfrastruktur und Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit
Zielgruppe
91.800 Menschen, 15.300 Haushalte (15.300 Schwangere und stillende Mütter; 42.500 Frauen im gebärfähigen Alter und 34.000 Kinder unter fünf Jahren)
Projektgebiet
Somalia, Region Banadir, Distrikte Hamar JabJab, Wabari, Hamar Weyne und Bondhere
Projektbeschreibung
Wiederaufbau und Ausbau des Hamar Jab Jab Gesundheitszentrums
Training von Gesundheitspersonal
Aufklärungsarbeit zu sexueller und reproduktiver Gesundheit für lokale Gemeinden
Training von Behördenmitarbeitern
Übergabe des Gesundheitszentrums an das somalische Gesundheitsministerium
Projektlaufzeit
August 2014 – Juli 2017
Projektvolumen
916.251 €
Partner
Wardi Relief and Development Initiatives (WARDI)
Projektförderer
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); RTL Stiftung
Projektnummer
6100094
Projektverantwortlicher
Antje Leyian