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Unterstützung der pharmazeutischen Ausbildung in Tansania

In Tansania herrscht ein großer Mangel an Gesundheitspersonal, dies schließt pharmazeutische Fachkräfte mit ein. Auf eine Bevölkerung von knapp 45 Mio. Menschen (2013) kommen derzeit 980 registrierte Apotheker, 650 „Pharmaceutical Technicians“ (pharmazeutisch-technische Assistenten) und 350 „Pharmaceutical Assistants“ (Apothekenhelfer).

Im ganzen Land absolvieren nur etwa 135  „Technicians“ und 30 „Assistants“ ihre Ausbildung pro Jahr. Insbesondere in ländlichen Gesundheitseinrichtungen, die oft von kirchlichen Trägern betrieben werden, ist die Personalsituation unzureichend.
Um eine bessere medizinische Versorgung und verbesserten Zugang zu qualitativ hochwertigen Medikamenten zu gewährleisten, muss die Gesundheitsinfrastruktur insgesamt gestärkt werden. Hierbei kommt der beruflichen Ausbildung ein besonders hoher Stellenwert zu.

Eine 2012 unter Beteiligung action medeors durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Aufnahmekapazitäten der Schulen und die Qualität der pharmazeutischen Ausbildung in Tansania an vielen Stellen verbesserungswürdig ist. Grund für die Defizite sind v.a. Lehrkräftemangel, unzureichender Platz für Lehr- und Laborräume sowie unzulängliche Ausstattung der vorhandenen Labore und Bibliotheken. Weiterhin werden die sich ändernden Anforderungen an das pharmazeutische Berufsfeld nicht in den Lehrplänen berücksichtigt und die Lehrpläne sind insgesamt sehr uneinheitlich.

Public-Private Partnership

Vor diesem Hintergrund koordiniert action medeor ein „Public-Private Partnership“ (PPP), das von der GIZ  sowie drei deutschen Pharmaunternehmen (Boehringer, Bayer und Merck) mit einem Gesamtvolumen von ca. 400.000 Euro gefördert wird und auf drei Jahre (2014-2016) angelegt ist. Ziel dieses Projektes ist es, die Kapazität der Ausbildungseinrichtungen für pharmazeutisches Personal zu verbessern, die Qualität der Ausbildung anzuheben und somit den Gesundheitssektor insgesamt zu stärken.

Während der Projektlaufzeit wird die Kilimanjaro School of Pharmacy (KSP) als "Musterschule" für die Entwicklung und Umsetzung eines neuen Ausbildungsplans für pharmazeutisches Personal unterstützt. Darüber hinaus wird hier ein neues Labor- und Bibliotheksgebäude errichtet, um mehr Schüler aufnehmen zu können und den Auflagen der Akkreditierungsbehörde „National Council for Technical Education“ (NACTE) gerecht zu werden.

Ein wichtiger Schritt, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern, besteht darin, die Lehrpläne unter den Schulen zu harmonisieren und an die aktuellen Anforderungen des Gesundheitssektors anzupassen. In der ersten Projektphase (2014) wurde deshalb eine Situationsanalyse mit relevanten Akteuren aus dem Gesundheitssektor durchgeführt sowie ein neuer modularer Lehrplan in einer Expertengruppe ausführlich diskutiert, überarbeitet und harmonisiert. Maßgeblich beteiligt sind drei kirchliche sowie eine staatliche Ausbildungseinrichtung. Im Februar 2015 wurde der überarbeitete Lehrplan dann bei der staatlichen Akkreditierungsstelle NACTE eingereicht.

Laut dem „Pharmacy Council“, der die pharmazeutische Ausbildung überwacht und der vor Ort die Federführung bei dem Projekt hat, soll dieser neue harmonisierte Lehrplan an allen acht bestehenden pharmazeutischen Lehreinrichtungen im Land ab dem Schuljahr 2015/16 in Kraft treten und somit die Standardisierung und den Austausch zwischen den einzelnen Schulen erleichtern. Der Lehrplan sieht vor, dass Auszubildende bereits nach einem Jahr die Qualifizierungsstufe des „Dispensers“ erreichen. Dies soll dazu beitragen, die Zahl der pharmazeutischen Fachkräfte, die zumindest über Grundlagenwissen verfügen, zu erhöhen. Die Auszubildenden können dank des modularen Lehrplans ihre Ausbildung dann jederzeit fortsetzen, um sich nach zwei Jahren als „Pharmaceutical Assistant“ bzw. nach drei Jahren als „Pharmaceutical Technician“ zu qualifizieren.

Ausblick

Im weiteren Projektverlauf ist geplant, alle vier am Projekt beteiligten kirchlichen und staatlichen Schulen auf die Umstellung des Lehrplans vorzubereiten und die Vernetzung untereinander zu fördern.  Weitere Mittel zur Unterstützung der einzelnen Schulen werden gesucht.

Projektinformationen

Projektinhalt
Verbesserung der Kapazität und Qualität der pharmazeutischen Ausbildung in Tansania gemäß den Anforderungen des Gesundheitssektors
Zielgruppe
Vier Ausbildungseinrichtungen (drei kirchliche, eine staatliche), Gesundheitseinrichtungen v.a. in ländlichen Regionen
Projektgebiet
Tansania
Projektbeschreibung
Entwicklung, Überarbeitung und Harmonisierung eines neuen modularen Lehrplans für eine ein- bis dreijährige pharmazeutische Ausbildung
Reakkreditierung der Kilimanjaro School of Pharmacy (KSP) durch NACTE
Erweiterungsbau an der KSP (Labor und Bücherei)
Umstellung des Lehrplans an den vier Projektschulen
Unterstützung einzelner Schulen bei spezifischem Bedarf
Projektlaufzeit
April 2014 – Dezember 2016
Projektvolumen
418.500 €
Projektförderer
GIZ, Bayer, Boehringer, Merck
Projektnummer
7000118
Projektverantwortlicher
Christine Häfele-Abah