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Pressemitteilungen Türkei: Leben im Flüchtlingslager

Immer mehr Menschen leben auf der Flucht. Bürgerkriege, politische Instabilität, Terrorismus oder Armut – die Ursachen sind vielfältig.

Viele fliehen innerhalb ihres eigenen Landes oder in ein angrenzendes Nachbarland. In den Flüchtlingslagern wie in der Südtürkei gibt es oft keine medizinische Versorgung. action medeor hat bereits große Hilfssendungen mit Antibiotika, Schmerzmitteln, Infusionen, Verbandsstoffen und chirurgischem Besteck auf den Weg gebracht. Ute Hoffmann von action medeor reiste Anfang Juni zum zweiten Mal in die Südtürkei und besuchte dort verschiedene Flüchtlingslager, um sich ein Bild von der aktuellen Situation der Flüchtlinge zu machen.

Drei Fragen an Ute Hoffmann:

Wie haben Sie die Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern erlebt?

Die Zustände in den Flüchtlingslagern waren fürchterlich. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser vollkommen unzureichend. Und die Hitze dort ist fast nicht zu ertragen. Aber was noch viel schlimmer war, überall war eine hohe Frustration und Perspektivlosigkeit zu spüren. Die Menschen sind vollkommen auf die Hilfe anderer angewiesen und haben keine Möglichkeit, selbst über ihr Leben zu bestimmen. In der Türkei fühlen sie sich nicht willkommen, bei einer Rückkehr nach Syrien oder in den Irak würden sie sich in Lebensgefahr begeben. Ich habe mit einigen Flüchtlingen gesprochen. Sie berichteten über fürchterliche Erlebnisse während der Flucht und sind traumatisiert.

Hat sich die Situation der Flüchtlinge im Vergleich zu Ihrem Besuch im Januar verbessert?

Die Entwicklungen in verschiedenen Flüchtlingslagern sind sehr verschieden. Die Zahl der Menschen im Lager in Suruc nimmt langsam ab, da die hauptsächlich syrischen Flüchtlinge nach der Befreiung von der IS in Kobane langsam in die Stadt zurückkehren. Die Menschen brauchen jetzt Unterstützung beim Wiederaufbau der Stadt. action medeor wird dort ein Krankenhaus mit Medikamenten und medizinischem Equipment ausstatten.

In Fidanlik hingegen steigt die Zahl der Flüchtlinge weiter an. Bei meinem letzten Besuch im Januar waren hier knapp 3.500 Flüchtlinge untergebracht, heute sind es bereits etwa 5.000 Menschen. In diesem Lager hat sich die Situation der Menschen dramatisch verschlechtert. Die Medikamente sind aufgebraucht und die Ärzte können die Kranken deshalb nicht behandeln. Hier werden wir umgehend eine große Medikamentensendung und außerdem medizinisches Equipment auf den Weg bringen.

Welches Erlebnis ist Ihnen von der Reise besonders in Erinnerung geblieben?

Es gab verschiedene Geschichten und Begegnungen, die mich noch lange begleiten werden. Ich traf eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind in dem Flüchtlingslager in Fidanlik. Ihr Körper war mit Schnittwunden übersät. Es stellte sich heraus, dass sich die junge Frau die Wunden selbst zugefügt hatte, weil ihr Kind auf der Flucht zu verdursten drohte und sie es in der Not mit dem eigenen Blut versorgte. Zum Glück haben beide überlebt.

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