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Prävention von Frühehen und geschlechtsbasierter Gewalt in Guatemala

Schüler in Guatemala bei einer Aufklärungsveranstaltung

Schüler in Guatemala bei einer Aufklärungsveranstaltung © action medeor

Frühehen sind eine schwere Verletzung von Menschenrechten. Obwohl seit 2015 offiziell gesetzlich verboten, ist die Verheiratung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in den ländlichen Gebieten Guatemalas immer noch weit verbreitet. So waren im Jahr 2012 30% der Mädchen und jungen Frauen bei ihrer Hochzeit unter 18 Jahre alt (UNFPA 2012).

Die Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind verheerend. Neben häufig auftretenden psychischen Traumata, sind verheiratete Minderjährige meist dazu gezwungen ihre schulische Ausbildung abzubrechen, gefährden damit ihre berufliche Zukunft, verstärken die finanzielle Abhängigkeit von ihrem Ehepartner und sind einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt. Zudem sind Betroffene häufig häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt.

Weltweit sind mit 80% mehrheitlich Mädchen und junge Frauen von Frühehen betroffen (UNICEF 2014). Gerade sie sind während der Schwangerschaft und Geburt großen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, da ihr Körper häufig noch nicht ausgewachsen und bereit für eine Schwangerschaft bzw. Geburt ist. So sterben Mädchen unter 15 Jahren während des Geburtsvorgangs fünf Mal häufiger als Frauen in den Zwanzigern (Terre des Femmes 2016).

In Guatemala wurde 2015 ein Gesetz erlassen, das die Verheiratung Minderjähriger unter 18 Jahren verbietet. In dem durch instabile Regierungen, Korruption, schwache staatliche Institutionen und von Bürgerkriegstraumata geprägten Land werden Gesetzen jedoch oft mangelhaft umgesetzt (BMZ, Länderprofil Guatemala, 2016). Dies betrifft besonders ländliche Regionen, in denen Gesetzesänderungen den lokalen Regierungsvertretern häufig nicht bekannt sind und selbst dann von der Bevölkerung und lokalen Autoritäten vielmals nur als Empfehlung angesehen werden.

Genau hier setzt die Arbeit unserer Partnerorganisation ASOGEN an. Um die Verheiratung Minderjähriger und geschlechtsbasierte Gewalt im ländlichen Department Chimaltenango in Zentralguatemala zu verhindern, klärt sie im Rahmen des mit action medeor durchgeführten Projektes Bürgermeister über die Gesetzesänderung auf. Außerdem finden Schulungen sogenannten Aktionsrouten statt, also Handlungsschritten wie beispielweise die Alarmierung der zuständigen Behörden, wenn Frühehen eingegangen werden.

Auch die in der Projektregion aktiven traditionellen Geburtshelferinnen werden über die neue Gesetzeslage informiert und für die Problematik von Frühehen, Teenagerschwangerschaften und geschlechtsbasierter Gewalt sensibilisiert. Sie werden dazu angeleitet, Teenagerschwangerschaften den Behörden zu melden und Risikoschwangerschaften an Krankenhäuser zu referieren, sowie von geschlechtsbasierter Gewalt Betroffene zu beraten und sie auf Hilfsangebote, so auch auf das von ASOGEN betriebene Beratungszentrum für Frauen, hinzuweisen. Zusätzlich finden Workshops für 200 Schüler und Schülerinnen aus der Region statt, die über die Folgen von Frühehen aufgeklärt und durch einen Jugendgipfel und gemeinsame Aktionstage dazu motiviert werden, andere Gleichaltrige aufzuklären. Auf institutioneller Ebene entwickelt ASOGEN zudem einen Handlungsleitfaden für staatliche und nichtstaatliche Akteure und organisiert Informationsveranstaltungen zum Thema Prävention von Frühehen für staatliche und nichtstaatliche Netzwerke, die sich mit den Themen Kinderschutz und reproduktive und sexuelle Rechte und Gesundheit befassen.

Projektinformationen

Projektinhalt
Prävention von Frühehen, Teenagerschwangerschaften und geschlechtsbasierter Gewalt im ländlichen Guatemala
Zielgruppe
Bevölkerung von 30 ländlichen Gemeinden des Departments Chimaltenango
Projektgebiet
Guatemala, Region Guatemala Central, Department Chimaltenango
Projektbeschreibung
Fortbildungen zum Thema Prävention von Frühehen und geschlechtsbasierter Gewalt für 30 lokale Bürgermeister sowie 30 in der Region aktive, traditionelle GeburtshelferInnen
Workshops zur Sensibilisierung, sowie ein Austauschtreffen und gemeinsame Aktivitäten für 200 SchülerInnen aus der Projektregion
Entwicklung und Präsentation eines Handlungsleitfadens für staatliche und nichtstaatliche Akteure
Informationsveranstaltungen in überregionalen Netzwerken
Betreuung von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen im Beratungszentrum von ASOGEN
Projektlaufzeit
Januar 2016 - Januar 2017
Projektvolumen
47.000 €
Partner
Asociación Generando Equidad, Liderazgo y Oportunidades (ASOGEN)
Projektnummer
6000177
Projektverantwortlicher
Luise Krumm