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Stärkung von Frauen und Mädchen in Tansania durch einen verbesserten Zugang zu Menstruationshygiene

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    Vielen Frauen und Mädchen in ländlichen Regionen Tansanias mangelt es an Wissen über Gesundheit und Hygiene.
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    In Aufklärungsveranstaltungen wird wichtiges Wissen vermittelt, beispielsweise über Menstruationshygiene und Genitalverstümmelung.
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    Viele Mädchen und Frauen im Projektgebiet haben keinen Zugang zu Hygieneartikeln und müssen sich mit ungeeigneten Alternativen behelfen.
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    Im Projekt erhalten die Frauen Nähmaschinen und Unterricht...
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    ... so dass sie selbst für sich und ihre Töchter wiederverwendbare Binden herstellen können.
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    Diese Binden bedeuten besonders für die Mädchen eine enorme Erleichterung, da viele sonst während ihrer Periode die Schule nicht besuchen konnten.

Dass die Periode ein Grund für junge Mädchen sein kann, nicht mehr zur Schule zu gehen und sie sich oftmals zu verstecken, ist hierzulande eher ungewöhnlich - anders für viele Mädchen in Tansania.

In ländlichen Regionen Tansanias können sich Frauen und Mädchen können oft keine Binden leisten und verwenden dafür zum Teil gefährliche Substitute, wie Baumrinden, Stroh, alte Zeitungen oder mehrfach getragenen Stoffreste. Aus Angst davor, dass Blutflecken zu sehen sein könnten, bleiben die Mädchen jeden Monat ein paar Tage dem Unterricht fern, und auch Frauen sind extrem in ihrem Alltag eingeschränkt. Dies hat zur Folge, dass die Mädchen bis zu 20% weniger Bildung als ihre männlichen Altersgenossen erhalten. Laut UNESCO beträgt die Rate der Schulabbrüche aufgrund von fehlender Menstruationshygiene, Unwissenheit und Tabuisierung bei afrikanischen Mädchen bis zu 10%.

Hinzu kommt, dass in der Projektregion besonders unter den Ethnien der Massai gefährliche traditionelle Praktiken, wie die Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation), trotz gesetzlichen Verboten weiterhin praktiziert wird. Diese „Beschneidung“ ist in der Kultur tief verwurzelt und symbolisiert den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenendasein. Unterstützt wird dies durch den Glauben, dass die „Beschneidung“ vor Geschlechtskrankheiten schützt, wie die im Volksmund verbreitete „Lawalawa“-Krankheit. Lawalawa bezeichnet jedoch jegliches Jucken im Genitalbereich und ist häufig auf einen Mangel an Hygiene zurückzuführen. Bei dem grausamen Ritual, welches ohne Betäubung durchgeführt wird, leiden die Mädchen unter starken Schmerzen und starken Blutungen. Neben traumatischen und psychischen Schäden leiden die Mädchen oftmals unmittelbar danach, als auch später an bakterielle Infektionen, Tetanus, Sepsis, Zysten und offenen Wunden. Darüber hinaus kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt bei Mutter und Kind kommen.

Im Projekt, das action medeor gemeinsam mit der lokalen Organisation Arusha Archdiocesan Integrated Development and Relief Office (AAIDRO) durchführt, soll mit dem Irrglauben aufgeräumt werden, dass FGM vor Krankheiten schützt und man nur als vollwertige Frau gilt, wenn man beschnitten ist. Allerdings ist dies ein heikles Thema in Tansania, da FGM seit 1998 gesetzlich verboten ist. Durch Aufklärungsveranstaltungen zum Thema Hygiene soll daher zunächst ein Zugang zu den Frauen und Mädchen in der Projektregion geschaffen werden.

Zunächst werden an sechs Schulen Veranstaltungen für Mädchen und Jungen zu den Themen Pubertät und Hygiene angeboten. Frauengruppen auf den Dörfern wird die Herstellung von hygienischen wiederverwendbaren Binden und Seife gezeigt, damit sie sich und ihre Töchter zukünftig selbst damit versorgen können. Durch die Etablierung von Frauengruppen auf Dorfebene soll zudem ein regelmäßiger Austausch über sexuelle, reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) mit lokalen Partnerorganisationen erfolgen. Das Projekt ist ein Pilotprojekt und soll wichtige Informationen über Genitalverstümmelung und den Wissensstand der Bevölkerung über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Hygiene liefern, um darauf basierende Folgeprojekte aufzubauen.

Projektinformationen

Projektinhalt
Stärkung von Frauen und Mädchen in der Region Arusha durch einen verbesserten Zugang zu Menstruationshygiene
Zielgruppe
Direkt: 2840 Frauen und Mädchen in der Projektregion Indirekt: 800 Jungen durch Aufklärungsveranstaltungen sowie Familien der Frauen und Mädchen
Projektgebiet
Drei Dörfer und sechs Schulen in der Region Arusha im Norden Tansanias
Projektbeschreibung
Aufklärungsveranstaltungen über SRGR, Menstruationshygiene und Genitalverstümmelung
Anschaffung von Nähmaschinen zur Herstellung der Binden
Workshops zur Herstellung von wiederverwendbaren Monatsbinden und Seife
Projektlaufzeit
Juli 2015 – März 2016
Projektvolumen
37.648 Euro
Partner
Arusha Archdiocesan Integrated Development and Relief Office (AAIDRO)
Projektförderer
BMZ, ECOVIS Stiftung
Projektnummer
6000165
Projektverantwortlicher
Kathrin Rolka