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Mutter- und Neugeborenen-Gesundheit in Guatemala

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    Die Müttersterblichkeit in Guatemala ist eine der höchsten in Lateinamerika. Das betrifft insbesondere die Projektregion Izabal.
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    Grund für die hohe Müttersterblichkeit ist das schlechte staatliche Gesundheitssystem. Oftmals sind Gesundheitseinrichtungen für Schwangere oder Mütter nicht zu erreichen.
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    Auch schlecht ausgebildete Geburtshelferinnen und der schlechte Informationsstand der Bevölkerung stellen ein Problem dar.
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    Im Rahmen des Projekts bildet action medeor deshalb Trainerinnen aus, die dann wiederum die Geburtshelferinnen weiterbilden können.
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    Die Geburtshelferinnen werden außerdem für ihre Tätigkeit ausgestattet, um werdende Schwangere und Mütter künftig besser und professionell unterstützen zu können.
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    Darüber hinaus werden Schülerinnen und Schüler aufgeklärt, die ihr Wissen dann in der Schule weitergeben können, um der hohen Zahl an Teenager-Schwangerschaften entgegenzutreten.

Die Müttersterblichkeit in Guatemala ist eine der höchsten in Lateinamerika. Im Jahr 2010 starben 120 von 100.000 Frauen bei oder in Folge einer Schwangerschaft, im Vergleich dazu liegt dieser Wert in Deutschland bei sieben je 100.000.

In der Projektregion Izabal im Osten des Landes ist die Situation sogar noch dramatischer. Der Grund hierfür ist, dass die Versorgung von Schwangeren vor allem in ländlichen Regionen durch das staatliche Gesundheitssystem nur selten adäquat abgedeckt ist. Pränatale Vorsorgeuntersuchungen, von denen jede Schwangere insgesamt mindestens vier in Anspruch nehmen sollte, sind für die Frauen häufig nicht verfügbar.

Aufgrund der Entfernung, der Transportkosten oder traditionellen Kontexten entbindet nur knapp die Hälfte aller Frauen aus dem Department Izabal in Begleitung eines Arztes oder einer Krankenschwester. Die andere Hälfte der Geburten wird von traditionellen Geburtshelferinnen begleitet, die häufig unzureichend ausgebildet und ausgestattet sind. In der indigenen Bevölkerung ist die Bedeutung von Geburtshelferinnen, die die Betreuung der Frauen vor, während und nach der Geburt übernehmen und die Familien beispielsweise in Themen der Familienplanung beraten, sehr groß.

Durch verstärkte Privatisierung seit 2014 ist der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen in vielen Fällen nur noch einer wohlhabenderen Bevölkerungsschicht möglich. Diese Umstände waren - insbesondere für werdende Mütter - in der Vergangenheit für viele Frauen tödlich.

Um die Situation der Frauen in Izabal zu verbessern, wurden im Projekt (Projektende: Mai 2016) mit unserem lokalen Projektträger Ak´Tenamit acht Trainerinnen fortgebildet, die die Aus- und Fortbildung der traditionellen Geburtshelferinnen (30 bereits praktizierende, 30 neue) zuständig waren. Fast alle Geburtshelferinnen sind nun mit einem offiziellen Dokument ausgestattet, das deren Wissen und Kenntnisse staatlich anerkennt und sie zu offiziellen Akteuren im Gesundheitsbereich macht. Insgesamt können so 68 Geburtshelferinnen und die Frauen aus 35 zum Teil sehr abgeschiedenen Gemeinden erreicht werden.

Die Geburtshelferinnen wurden für ihre Tätigkeit mit medizinischem Material, Instrumenten und Basis-Medikamenten ausgestattet und konnten über Praktika in einem Krankenhaus zusätzliches, wertvolles Wissen erlangen. Hintergrund hier ist, dass das staatliche Gesundheitssystem indigene und ärmere Bevölkerungsgruppen häufig diskriminiert die traditionellen Geburtshelferinnen sowie deren Diagnosen nicht akzeptiert. Indigene Bevölkerungsgruppen halten dadurch an ihren traditionellen Methoden fest, wodurch sie häufig wichtige neue Erkenntnisse und Praktiken nicht einführen und die Mütter selbst bei Risikogeburten abschotten. Das sorgt für Misstrauen und Ablehnung von beiden Seiten.

Das Projekt konnte stark zum gegenseitigen Abbau der Vorurteile und der Aneignung neuer Sichtweisen und Erkenntnisse auf beiden Seiten beitragen. Seit 2013 bis heute kann unsere Partnerorganisation Ak´Tenamit auf den Erfolg zurückblicken, dass sich kein einziger Sterbefall von Müttern in Schwangerschaft oder während der Geburt ereignet hat.

Das Projekt beinhaltet außerdem die Ausbildung von Schülern und Schülerinnen zu Multiplikatoren im Bereich Aufklärung, die ihr Wissen an die 450 Schüler der eigenen Bildungseinrichtung von Ak´Tenamit weitergegeben haben. So wurden sexuell übertragbare Krankheiten und der hohen Zahl an Teenager-Schwangerschaften vorgebeugt. Die Jugendliche nehmen dieses Wissen auch nach Ende des Projekts mit in ihre Familien und andere Freundeskreise und sorgen so für eine weitere Verbreitung dieser wichtigen Botschaften.

Dieses Projekt ist inzwischen abgeschlossen. Ein Bericht über die Evaluierung liegt vor und kann bei Interesse bei der Ansprechpartnerin angefragt werden.

Projektinformationen

Projektinhalt
Verbesserung der Versorgung von Müttern und Schwangeren sowie deren Neugeborenen und Erhöhung der Kenntnisse der Bevölkerung
Zielgruppe
indigene Q´eqchi´-Bevölkerung des Gemeindebezirks Livingston im Department Izabal
Projektgebiet
Guatemala, Izabal/Livingston (nördlich von Chiquimula)
Projektbeschreibung
Fortbildung von 8 Trainerinnern, die für die Fortbildungen der Geburtshelferinnen verantwortlich sind
Fortbildung und Ausstattung von 60 Geburtshelferinnen durch die Trainerinnen, von denen 30 bereits an einem von action medeor finanzierten Eigenmittelprojekt teilgenommen haben
Praktika der Geburtshelferinnen im staatlichen Krankenhaus
Fortbildung von 30 Schülern zu Multiplikatoren für Aufklärung in der Schule
Projektlaufzeit
Oktober 2013 – März 2016
Projektvolumen
152.412 €
Projektförderer
BMZ
Projektnummer
6000149
Projektverantwortlicher
Charlotte Nelles