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Dürre in Pakistan 2014

Neben Überschwemmungen entlang des Indus kommt es im Südosten Pakistans immer wieder zu extremen Dürren.

Die Tharwüste ist eine stark vernachlässigte Region im Südosten von Pakistan mit einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen. Die periphere Lage nahe der indischen Grenze und die klimatischen Bedingungen ermöglichen den Menschen nur kleinbäuerliche Landwirtschaft und Viehzucht. Die Viehzucht ist daher die Haupteinkommensquelle und wichtigstes Standbein der Bevölkerung. Sie dient als Einkommensquelle, zur Nahrungsmittelproduktion, als Geldanlage und finanzielle Absicherung. Wasserknappheit ist ein chronisches Problem. Das Grundwasser ist versalzen und kontaminiert. Mit nur einer Regenzeit zwischen Juli und September stehen den Menschen nur wenig alternative Wasserquellen zur Verfügung. Die Gesundheitsversorgung beschränkt sich auf die städtischen Zentren und ist für die ländliche Bevölkerung nur schwer zu erreichen.

Seit Jahresbeginn hat sich die Situation der ländlichen Bevölkerung und darunter speziell der Frauen und Kinder dramatisch verschärft. Fast 100 Kleinkinder und Säuglinge sind in Folge von Mangelernährung und unzureichender Gesundheitsversorgung in den letzten Monaten gestorben. Der Gesundheits- und Ernährungszustand der Menschen hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Gründe dafür sind der Ausbruch einer Tierseuche, durch den die Menschen einen Großteil ihrer Viehbestände verloren haben, die unzureichende Gesundheitsversorgung (insb. Mutter-Kind-Versorgung) in den ländlich geprägten Gebieten sowie das niedrige Regenaufkommen im vergangenen Jahr.

Im März wurde der Notstand für diese Region ausgerufen, doch viele abgelegene Dorfgemeinschaften haben noch immer keine Hilfe erhalten. Durch den rasanten Verlust an Nutztieren und gleichzeitigem Wassermangel ist die Lebensgrundlage vieler Familien stark gefährdet oder bereits verloren. Migration in die benachbarten Gebiete ist für viele die letzte Option. Doch das Risiko der strapaziösen Wanderung ist für die schwachen Familienmitglieder extrem hoch. Der nächste Regen und damit die Chance auf bessere Lebens- und Einkommensbedingungen sind erst für Juli oder August zu erwarten. Den betroffenen Familien stehen also noch weitere drei bis vier Monate ohne sauberes Trinkwasser und Einkommen bevor.