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Pressemitteilungen Internationale Fachtagung in Bonn: Chancen und Herausforderungen der Medikamentenherstellung in Afrika

Tönisvorst, 21. Februar 2013. Medikamente für Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose sind in den meisten Entwicklungsländern nur für einen Bruchteil der Bevölkerung verfügbar. Jährlich sterben Millionen Menschen, darunter viele Kinder, an Krankheiten, die behandelbar sind, sagte Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in Nordrhein-Westfalen anlässlich der internationalen Fachtagung „Local Production and Access to Medicines“, die von dem Deutschen Medikamentenhilfswerk action medeor mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) organisiert und von der Staatskanzlei NRW im Rahmen der „Eine-Welt-Politik“ finanziert wurde.

Im Fokus der Fachtagung stand die Frage: Hilft lokale Produktion von Medikamenten, die fehlende Infrastruktur auszugleichen und den Zugang zu hochwertigen und bezahlbaren Arzneimitteln zu sichern?

Ein Drittel der Weltbevölkerung hat laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinen ausreichenden und regelmäßigen Zugang zu Medikamenten. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von wirtschaftlichen Faktoren wie Armut, hohe Medikamentenpreise und unzureichende Gesundheitsausgaben im öffentlichen Budget bis hin zu Ineffizienz in der Arzneimittelvertriebskette. Nachteilige Handelsbestimmungen und restriktive Patentrechte erschweren die Lage. Wenn die Situation grundlegend verbessert werden soll, müssen Entwicklungsländer auf Dauer unabhängig von Medikamentenspenden und -importen werden, so Schwall-Düren, das geht nur, wenn wir der lokalen Pharmaproduktion in den Entwicklungsländern eine echte Chance geben.

Es gibt allerdings auch viele Probleme. Es fehlt qualifiziertes Personal und die Infrastruktur ist unzureichend wie zum Beispiel die Stromversorgung. Die lokalen Arzneimittelbehörden können die Produktion oft nicht ausreichend überwachen, was wiederum dazu führt, dass vorhandene nationale Richtlinien zur Einhaltung der Qualitätsstandards nur unzureichend umgesetzt werden. Außerdem ist der Import von Wirk- und Hilfsstoffen in relativ kleinen Mengen teuer, Infrastruktur- sowie Personalkosten sind vergleichsweise hoch und der Zugang zu Kapital ist begrenzt. Der Preisdruck verursacht durch importierte Medikamente von oft zweifelhafter Qualität stellt ein weiteres Problem dar. Trotz der vielen Schwierigkeiten überwiegen die Vorteile, sagte Bernd Pastors, Vorstand von action medeor, das Vertriebsnetz der lokalen Hersteller ist vor allem in den ländlichen Regionen besser als das der internationalen Hersteller und Importeure und dadurch wird die Verfügbarkeit von Basismedikamenten gerade in abgelegenen Gebieten verbessert. Auch der Import und die Verzollung von Fertigprodukten sei zeit- und kostenintensiv. Hier besteht die Chance, dass lokal hergestellte Produkte günstiger oder zumindest konkurrenzfähig zu importierten Produkten sind, so Pastors. Außerdem haben lokale Hersteller ein langfristiges und nachhaltiges Interesse, lokale Märkte auszubauen und zu erhalten.

Medien

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  • Bildunterschrift: Damit Entwicklungsländer auf Dauer unabhängig werden von Medikamentenspenden und –importen, braucht die lokale Pharmaproduktion eine echte Chance
  • Quelle: action medeor

Die pharmazeutische Fachberatung von action medeor

Das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor unterstützt seit 2004 die lokale Medikamentenproduktion in Afrika. Im Rahmen der pharmazeutischen Fachberatung wurden seit 2005 Seminare zu internationalen Produktionsstandards in Ostafrika und Westafrika (Ghana) durchgeführt. Finanziell unterstützt wurden diese Veranstaltungen durch BMZ/GIZ bzw. durch die nordrhein-westfälische Landesregierung. Weiterhin hat action medeor mit Unterstützung der GIZ ein pharmazeutisches Lehr- und Entwicklungslabor an der Muhimbili Universität in Dar es Salaam in Tansania aufgebaut, das lokalen Hersteller bei der Optimierung von Arzneimittelformulierungen helfen soll. Das derzeit größte Projekt von action medeor mit einem Gesamtvolumen 6,2 Millionen Euro, das seit 2006 von der Europäischen Kommission mit fünf Millionen Euro gefördert wird, befasst sich mit dem Aufbau einer internationalen Standards entsprechenden Produktionsanlage für HIV/Aids-Medikamente in Arusha in Tansania. Lokaler Partner und Betreiber der Anlage ist Tanzania Pharmaceutical Industries Ltd.

action medeor

medeor bedeutet im lateinischen „ich heile“. Als größtes Medikamenten-Hilfswerk Europas setzt sich action medeor bereits seit 1964 für eine nachhaltige und bessere Gesundheitsversorgung der Menschen insbesondere in Entwicklungsländern ein. Satzungsgemäß leistet action medeor Entwicklungshilfe auf allen Gebieten der Gesundheitsfürsorge. Hauptsitz des gemeinnützigen Vereins ist das niederrheinische Tönisvorst. Von hier aus wurden bisher rund 10.000 Gesundheitsstationen in 140 Ländern der Erde mit medizinischer Hilfe versorgt. Regionale Schwerpunkte sind dabei Afrika, Lateinamerika und Asien. Neben der Versorgung von Gesundheitseinrichtungen mit hochwertigen Medikamenten und Bedarfsartikeln setzt action medeor auch Maßnahmen um, die Gesundheitsstrukturen in den betreffenden Regionen langfristig stärken. Denn in Ländern mit den niedrigsten Pro- Kopf-Einkommen fehlen flächendeckende Gesundheitsstrukturen und ein funktionierendes Gesundheitswesen. Gerade in ländlichen Gebieten sind Gesundheitseinrichtungen häufig nicht vorhanden oder nur schwer erreichbar. Es herrscht vielerorts ein Mangel an gut ausgebildetem Gesundheitspersonal und an ausreichenden und bezahlbaren Arzneimitteln. Dies hat weitreichende Folgen: Armut ist die Hauptursache von Krankheiten und eine mangelhafte Gesundheitsversorgung führt zu noch größerer Armut. Vor diesem Hintergrund sind alle Aktivitäten von action medeor auf die Vision ausgerichtet, die Gesundheitsversorgung in den ärmsten Regionen so zu verbessern, dass Gesundheit für alle Menschen möglich wird.

Die Aufgaben von action medeor im Überblick

medeor verbessert den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten

action medeor versorgt große und kleine Gesundheitsstationen und Krankenhäuser mit hochwertigen Medikamenten und medizinischen Bedarfsartikeln. Die Hilfe erfolgt als Spende oder gegen Erstattung der Selbstkosten des Vereins.

medeor bekämpft HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose

action medeor führt gemeinsam mit lokalen Partnern Gesundheitsprojekte in den Bereichen Prävention, Diagnostik, und Therapie durch. Die Projekte kommen vor allem besonders benachteiligten Bevölkerungsgruppen wie Schwangeren, Müttern, Kindern und gesellschaftlichen Minderheiten zu Gute.

medeor leistet pharmazeutische Fachberatung

action medeor zeigt Gesundheitseinrichtungen vor Ort eigenständige Wege zur nachhaltigen Verbesserung der medizinischen Infrastruktur auf. Hierzu gehört die Ausbildung von Gesundheitspersonal, die Einrichtung und Ausstattung von Forschungslaboren und die Unterstützung von lokalen Produktionsstätten für Medikamente. Schwerpunkt der Hilfe ist Ostafrika, insbesondere Tansania.

medeor hilft im Not- und Katastrophenfall

Durch die ständige Bevorratung von rund 300.000 Behältern sowie von so genannten Emergency Health Kits ist action medeor in der Lage, Arzneimittel und Instrumente innerhalb kürzester Zeit in ein Katastrophengebiet zu schicken.



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