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Pressemitteilungen Positionspapier zur globalen Verteilung von COVID-19-Impfstoffen

Impfstoffe weltweit bedarfsgerecht verteilen - Gesundheitssysteme weltweit stärken - Sozioökonomische Folgen der Pandemie berücksichtigen

1.    Impfstoffe weltweit bedarfsgerecht verteilen

action medeor fordert eine bedarfsgerechte weltweite Verteilung der verfügbaren Corona-Impfstoffe. Die Pandemie kann nur global bekämpft werden. Will man sie möglichst effizient und humanitär verantwortungsvoll bekämpfen, müssen Impfstoffe dort zuerst verfügbar gemacht werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Wir halten es für zielführender, statt von Impfgerechtigkeit von Bedarfsgerechtigkeit zu sprechen. Für eine bedarfsgerechte Verteilung von Impfstoffen sind drei zentrale Kriterien zugrunde zu legen, nämlich (1) die Zahl der Infektions- und Todesfälle, (2) die relative Größe der Risikogruppen und (3) die Stärke des jeweils vorhandenen Gesundheitssystems. Uns ist bewusst, dass die derzeitige Datenlage nicht ausreicht, um den Bedarf nach den Kriterien sachgerecht zu beurteilen. Dazu müssen z.B. weltweite Test- und Analysekapazitäten rasch verbessert werden. 

action medeor begrüßt in diesem Zusammenhang die internationale COVAX-Initiative und das deutsche Engagement. Die Initiative verdient es, politisch und finanziell gestärkt zu werden. Das derzeitige Verteilungssystem läuft in großen Teilen allerdings an der COVAX-Initiative vorbei und richtet sich hauptsächlich nach der Verfügbarkeit finanzieller Mittel: Wer welche hat, bekommt Impfstoff; wer keine hat, muss warten. Die Staaten des globalen Südens werden so zu Empfängern von Überschüssen des globalen Nordens. Dies kann nicht das Prinzip einer global bedarfsgerechten Verteilung von Impfstoffen sein. Das muss sich ändern.

2.    Gesundheitssysteme weltweit stärken, Nachhaltigkeitsziele 1 und 3 verfolgen

Die Bekämpfung des Corona-Virus und seiner Mutationen ist eine globale Herausforderung, der sich die Welt insgesamt stellen muss. Die Krise hat grundlegende Probleme aufgezeigt, die weit über die aktuelle Pandemie hinausweisen: Es sind die ungleiche Verteilung von Wohlstand und insbesondere die ungleiche Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme, die nun offen zutage treten. Beispielsweise gab es am Anfang der Pandemie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent nur sechs Labore, die in der Lage waren, das Corona-Virus nachzuweisen. Bis heute ist die Datenlage dort alles andere als valide. Wichtige Erkenntnisse zur Bekämpfung des Virus können nicht gewonnen werden, weil schlicht die Kapazitäten fehlen. Das ist kein Problem Afrikas. Es ist ein globales und von Dauer, wenn wir untätig bleiben.

Die aktuelle Pandemie weist weit über sich selbst hinaus. action medeor warnt eindringlich davor, sich nur auf das aktuelle Impfgeschehen zu fokussieren und darüber das dritte Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030 aus den Augen zu verlieren (SDG 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern). Allein für den afrikanischen Kontinent rechnet man mit zusätzlich 400.000 Opfern durch Malaria und HIV sowie einer halben Million zusätzlicher Tuberkulose-Toter. Es reicht daher nicht, die Menschen gegen COVID-19 zu immunisieren und dann zur Tagesordnung überzugehen. Wir müssen die strukturellen Probleme dauerhaft beseitigen. Jetzt ist der richtige Moment, die Anstrengungen zu verstärken.

Kurzfristig geht es um die rasche Verbesserung von Labor- und Diagnostik-Kapazitäten, die bedarfsgerechte Ausstattung von Gesundheitsstationen mit Medikamenten und medizintechnischer Ausrüstung, die Verbesserung der Patientenversorgung durch professionelles Monitoring und um die Versorgung auch entlegener Gesundheitseinrichtungen und besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig muss eine globale Impfkampagne sozial und organisatorisch begleitet werden. Dazu gehört die Aufklärung der lokalen Bevölkerungen, um etwaige Vorbehalte gegen eine Impfung abzubauen. Logistische und pharmazeutischen Strukturen in schwachen Gesundheitssystemen müssen schnell ausgebaut und auf die bevorstehende Impfkampagne vorbereitet werden. Dazu braucht es ausreichende Personalressourcen und eine nachhaltige Finanzierung.

Die Pandemie macht deutlich, dass die nachhaltige Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsstrukturen in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. Das von der Nachhaltigkeitsagenda gesetzte Ziel, dies bis 2030 zu erreichen, gibt den richtigen Orientierungspunkt. Ohne eine gute medizinische Versorgung für große Teile der Weltbevölkerung werden wir der nächsten Pandemie ähnlich schutzlos ausgeliefert sein wie der aktuellen.

Der Fokus muss zudem weiterhin auf die Reduzierung der Armut gerichtet werden (SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden). Covid-19 hat den ersten Anstieg der Armutsrate seit Jahrzehnten verursacht. Seit Anfang der Neunziger Jahre war die Zahl der Menschen, die unter der absoluten Armutsgrenze leben, von über 35 Prozent auf zuletzt rund 8,4 Prozent gesunken. Diese Erfolge drohen durch die Folgen der Pandemie und der Bekämpfungsmaßnahmen zunichte gemacht zu werden.

action medeor fordert daher eine Verstärkung internationaler Anstrengungen zum Erreichen besonders der Nachhaltigkeitsziele 1 und 3 der Agenda 2030.

3.    Sozioökonomische Folgen der Pandemie nicht vergessen

Neben der medizinischen Bekämpfung des Corona-Virus darf die Beseitigung der sozioökonomischen Folgen der Pandemie nicht vergessen werden. In vielen Ländern der Welt haben der globale Lockdown sowie zusammenbrechende Warenströme und Lieferketten weitaus größere Not verursacht als das Virus selbst. Menschen sind in Hunger geraten, weil sie ihre Existenzgrundlage verloren haben. Ernährungsprogramme mussten unterbrochen werden. Die Behandlung anderer Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder HIV/Aids wurde in Schwellen- und Entwicklungsländern vielfach ausgesetzt, weil Schutzausrüstungen fehlten. Die Folgen dieser coronabedingten Ausfälle sind heute nur schwer absehbar.

Die aktuellen Prognosen sehen besorgniserregend aus. Die WHO befürchtet bereits jetzt einen deutlichen Anstieg sowohl des Hungers als auch der Krankheitsfälle in der Welt. Die UN-Welternährungsorganisation geht davon aus, dass allein durch die Corona-Pandemie zwischen 80 und 130 Millionen Menschen in den Hunger getrieben werden. Weltweit wird ein Anstieg der Hungernden auf 690 Millionen Menschen prognostiziert. Gleichzeitig warnt die WHO davor, dass es weltweit zwischen 20.000 und 100.000 mehr Malaria-Tote geben könne als erwartet.

Diese Folgewirkungen werden die Pandemie überdauern. Sie werden Menschenleben kosten, auch in den nächsten Jahren, wenn nichts dagegen geschieht. Deshalb dürfen wir in unseren Anstrengungen zur Bekämpfung von Armut und all ihren Folgen jetzt nicht nachlassen, im Gegenteil: Es müssen weitere Ressourcen bereitgestellt werden, um den drohenden Anstieg von Hunger und Krankheiten zu verhindern.

action medeor ermutigt die politischen Entscheidungsträger, national und international darauf hinzuwirken, dass die sozioökonomischen Folgen der Pandemie ebenso in den Blick genommen werden wie die medizinische Bekämpfung des Virus selbst.




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