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Pressemitteilungen Haiti 10 Jahre nach der Katastrophe: Kleine Erfolge in der großen Krise

© ADH / J. Studnar

Vor zehn Jahren, am 12. Januar 2010, wurde Haiti von einem Erdbeben der Stärke 7,0 getroffen. Die Naturkatastrophe verwüstete weitere Teile der Insel. Nach Angaben der Haitianischen Regierung starben 300.000 Menschen, 1,5 Millionen verloren ihr Zuhause. Die Gesundheitsversorgung des Landes lag in Trümmern, Krankheiten wie Cholera breiteten sich aus.

Trotz massiver Hilfe aus dem Ausland hat Haiti bis heute nicht wieder zu stabilen Verhältnissen gefunden. Schuld daran war nicht nur Hurrican Matthew, der das Land 2016 traf und erneut für Verwüstungen sorgte. Es sind insbesondere auch die politische Instabilität und die andauernde wirtschaftliche und soziale Krise, die den Haitianern zu schaffen machen. Aber es gibt auch gute Nachrichten aus dem krisengeschüttelten Land. Eine dieser Geschichten spielt in der ländlichen Region Lamardelle im Südosten Haitis und beruht auf der Zusammenarbeit von action medeor und der Fondation Enfant Jésus.

Von der Katastrophe zur Kooperation

Die Nachricht von der Erdbeben-Katastrophe in Haiti traf action medeor am 12. Januar 2010 so überraschend wie den Rest der Welt. Allerdings war das Medikamentenhilfswerk aus dem niederrheinischen Tönisvorst nicht unvorbereitet. Als „Notapotheke der Welt“ ist action medeor in der Lage, Arzneimittel, medizinisches Equipment und Instrumente binnen weniger Stunden in Katastrophengebiete zu schicken. So war es auch 2010: In den ersten Monaten der akuten Katastrophenhilfe schickte action medeor mehr als 120 Tonnen mit Medikamenten, Verbandsmaterialien und anderen dringend benötigten medizinischen Materialien nach Haiti.

Aus der Hilfe in der größten Not wurde aber mehr. Zusammen mit der lokalen haitianischen Partnerorganisation Fondation Enfant Jésus (FEJ) starteten die Niederrheiner in 2011 ein Maßnahmenpaket, um den Gesundheitszustand der Menschen in der ländlichen Region Lamardelle zu verbessern, die im Südosten Haitis liegt. „Wir hatten ein gemeinsames Ziel“, erinnert sich Bernd Pastors, Vorstandssprecher bei action medeor. „Wir wollten die Gesundheitsversorgung, Krankheitsprävention und insbesondere auch die Mutter-Kind-Gesundheit und Geburtshilfe deutlich verbessern. Aber am Anfang war nicht wirklich klar, ob und wie gut das unter den schwierigen Umständen gelingen würde.“

Ein kleiner Segen für die Region

Heute kann man sagen: Die damals gestartete Kooperation ist ein kleiner Segen für die Region. Denn sie besteht bis heute. Erst im November 2019 starteten action medeor und die Fondation Enfant Jésus (FEJ) ein weiteres gemeinsames Projekt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern in der Projektregion Lamardelle. Es ist das jüngste in einer ganzen Reihe von Kooperationsprojekten, die für die Region eine Reihe von Verbesserungen gebracht hat.

Da ist zum Beispiel die Klinik in Lamardelle. Ursprünglich war sie nur drei Tage in der Woche geöffnet, inzwischen ist sie rund um die Uhr für die Patienten erreichbar. Zusätzliches Gesundheitspersonal wurde eingestellt und fortgebildet, außerdem wurde die Ausstattung der Klinik nach und nach verbessert und ausgebaut. Ein großer Meilenstein wurde 2018 erzielt: Durch die Eröffnung der neuen Entbindungsstation und Einstellung einer weiteren Hebamme können Schwangere und Neugeborene in der Projektregion jetzt viel besser versorgt werden. „Wir können den Menschen einen gesunden Start ins Leben geben, das war uns sehr wichtig“, berichtet Pastors.

Kinder leiden an Mangelernährung

Judith Saint Philippe ist einer der Hebammen in Lamardelle. „Es ist für mich die größte Motivation, dass Kinder gesund zur Welt kommen und Mütter Geburten gut überstehen“, schildert sie ihren Antrieb, der sie täglich zur Arbeit führt. Die findet allerdings unter schwierigen Bedingungen statt. Denn die weit verbreitete Mangelernährung bei Kindern gehört zu den großen Herausforderungen, denen sich die medizinischen Helfer gegenübersehen. Sie hat dramatische Folgen, denn die Körper der Kinder können Infektionen nicht abwehren, sie sind häufig krank und ihre körperliche und geistige Entwicklung ist gefährdet.

Kampf gegen Hunger und Hurricans

Um den Kindern in der Projektregion einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen und Krankheiten vorzubeugen, haben action medeor und FEJ deswegen ein Ernährungsprogramm gestartet: Mangelernährte Kinder werden mit therapeutischer Spezialnahrung versorgt, außerdem bekommen die Kinder in der Schule und dem Waisenhaus von FEJ täglich ein Mittagessen. In Aufklärungsveranstaltungen lernen Mütter, auch mit geringen Ressourcen gesunde Mahlzeiten für ihre Kinder herzustellen und die Kinder vor Krankheiten zu schützen.

„Trotz dieser kleinen Fortschritte muss die Bevölkerung in der armen Region jedoch immer wieder Rückschläge einstecken“, zeigt sich Bernd Pastors besorgt. Die Insel Hispaniola, deren westlicher Teil Haiti bildet, liegt sowohl in der Gefahrenzone für tropische Wirbelstürme als auch über einer tektonischen Plattengrenze – und damit im Gefahrenbereich für Erdbeben. Im Jahr 2016 wurde auch die Region Lamardelle von Hurrikan Matthew getroffen, Teile des Klinikgebäudes wurden beschädigt. „Wir haben damals kurzfristig Nothilfeprojekt umgesetzt“, so Pastors. Patienten in der Umgebung wurden mit therapeutischer Nahrung und Medikamenten versorgt, außerdem wurden Latrinen errichtet, um die Sanitärversorgung in den Dörfern zu verbessern. Auch die beschädigte Außenmauer der Klinik konnte schnell wieder aufgebaut werden.

Kleine Erfolge in der großen Krise

Mauern können die Helfer wieder aufbauen – aber gegen die politische, wirtschaftliche und soziale Krise im Land können sie wenig ausrichten. „Die Rahmenbedingungen sind weiter schwierig“, gibt Pastors sich zurückhaltend. Aber die Vorboten der nächsten humanitären Katastrophe stehen schon vor der Tür: Nach Extremwetter-Ereignissen und Ernteausfällen kann dem Land in 2020 eine akute Nahrungsmittelkrise drohen. „Das wäre für die Menschen in Haiti nochmal ein bitterer Rückschlag“, so Pastors.

Unterm Strich bleibt es dabei: Haiti ist auf Hilfe angewiesen. Auch die gemeinsamen Erfolge, die action medeor und die Fondation Enfant Jésus erreichen konnten, können diesen Umstand nicht ändern. Aber sie sind ein kleiner Schimmer Hoffnung für die Menschen. Und sie retten Leben.




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