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Podcast: als Ehrenamtler unterwegs für Zahngesundheit

Dr. Bernd Diener (links) stellt dem tansanischen Kollegen Gerald Masuki die mobile Dentaleinheit vor.

Dr. Bernd Diener (links) stellt dem tansanischen Kollegen Gerald Masuki die mobile Dentaleinheit vor. © action medeor

Im Vorruhestand die Zahngesundheit in ländlichen Regionen Tansanias unterstützen?

Hören Sie im Interview mit unserem ehrenamtlichen Kollegen Dr. Bernd Diener, wie er zu action medeor kam und warum er mit einer mobilen Dentaleinheit im Gepäck zu einer Universität nach Tansania reiste!

Außerdem in unserem Podcast: Neuigkeiten von der Nothilfe für die Menschen in Syrien und im Jemen, zwei Schwerpunktländern der Katastrophenhilfe von action medeor.

Der Podcast zum Nachlesen

Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcast-Ausgabe von action medeor. Schön, dass sie wieder dabei sind. Hier unsere Themen: Wie ist die Lage in Syrien und im Jemen? Hilfe für Nordirak und dieses Geräusch aus einem Koffer spielt eine Rolle. Wenn sie jetzt an Zahnarzt denken, dann liegen sie gar nicht so schlecht beim Raten.

Dirk Angemeer, Bereichsleiter bei action medeor und zuständig für die Abwicklung der Medikamentenhilfe, muss sich tagtäglich neu über die Lage in den Krisengebieten informieren.

action medeor mitarbeiter angemeerIm Jemen ist die Lage unverändert. Die Lage der Bevölkerung ist nach wie vor dramatisch. Wir haben immer noch eine humanitäre Katastrophe. Viele Menschen sind immer noch an Cholera erkrankt und es mangelt an allen möglichen Medikamenten, es mangelt eigentlich an allem.

action medeor hilft unter Anderem mit Medikamenten.

Wir schicken ausschließlich Container in den Jemen, um größtmögliche Mengen an Hilfe auf einmal zu schicken. Deshalb sind wir auf die Seehäfen angewiesen. Momentan nutzen wir den Hafen von Hudaidah, der aktuell geöffnet ist. Der andere Seehafen Aden ist nicht geöffnet.

Auch die Lage in Syrien ist weiterhin sehr kritisch. Die Kämpfe sind wieder stärker entflammt.

Syrien, natürlich seit 2012 Bürgerkrieg, die Lage wird eigentlich immer schlechter anstatt besser. Jetzt aktuell gibt es neue kriegerische Auseinandersetzungen. Gerade in der Gegend wo action medeor aktiv ist, das ist die Gegend rund um Idlib. Insofern, dort ist die Lage dramatisch. action medeor ist seit 2012 dort aktiv. Wir haben zahlreiche Medikamente, Verbrauchsmaterialien, Equipment dorthin geschickt im Gesamtwert von mittlerweile mehr als 3,4 Millionen Euro. Aktuell haben wir drei verschiedene Projekte mit denen wir in Syrien tätig sind. Wir haben als erstes unsere normale Medikamentenhilfe. Wir haben alleine im letzten Winter Hilfe geleistet im Wert von mehr als 200.000 Euro. Wir haben ein weiteres Projekt, finanziert über die Staatskanzlei NRW, im Wert von 150.000 Euro und noch ein weiteres, spendenfinanziertes Projekt zur Unterstützung von drei Gesundheitszentren in Idlib.

Sie sehen, ihre Spenden werden benötigt. Also lassen Sie bitte nicht nach dabei, uns zu unterstützen. Vielen Dank!

Die Kurznachrichten

Lauf-Fans aufgepasst: Am 22 April startet der vierte Apfelblütenlauf bei action medeor in Tönisvorst. Wählen kann man zwischen Strecken von fünf, zehn und 21 Kilometern Länge. Jede von ihnen führt durch die größten Apfelplantagen am Niederrhein. Im Startgeld enthalten sind fünf Euro für action medeor. Wer mag, kann auch das Medikamentenlager kennen lernen und sich über unsere Arbeit informieren. Im Internet unter www.apfelblütenlauf.de geht es zur Anmeldung.

Hilfe für Erdbebenregionen: action medeor hat eine große Medikamentensendung für das irakisch-iranischen Grenzgebiet auf den Weg gebracht. Bei dem schweren Erdbeben in den Kurdengebieten zwischen dem Iran und dem Nordirak im November 2017 starben mehr als 400 Menschen, Tausende wurden schwer verletzt. Nach Angaben eines Partners von action medeor ist die Gesundheitsversorgung immer noch prekär. Mit den Medikamenten werden Gesundheitseinrichtungen ausgestattet.

Stellen sie sich vor, sie gehen mit 59 Jahren in Vorruhestand. Was könnten sie da alles machen? Reisen, wandern, Motorrad fahren, golfen oder was auch immer. Dieser Mann, den ihnen Kaspar Müller-Bringmann jetzt im Gespräch vorstellen wird, macht das auch. Er joggt gerne, fährt Motorrad. Aber an zwei Tagen in der Woche ist er ehrenamtlich bei action media tätig, Dr. Bernd Diener aus Krefeld.

Müller-Bringmann: Herr Dr. Diener, sie waren bis vor kurzem Industriekapitän. Sie waren bei Evonik der Standortleiter für Krefeld und Essen. Sie waren in führender Position tätig. Jetzt sind sie bei action medeor. Wie kam es dazu? Sie sind ehrenamtlich tätig.

Ja, ich war Standortleiter. Eine sehr herausfordernde, aber auch sehr interessante und schöne Arbeit. Ich hatte dann aber ein Angebot in den Vorruhestand zu gehen und das habe ich gerne genutzt. Ich bin jetzt seit dem Januar 2017 im Vorruhestand und sie können sich aber vorstellen, dass ich recht aktiv war und bin. Da kommt natürlich dann die Überlegung, was kannst du mit deinem Wissen Sinnvolles noch anfangen? Wie kannst du anderen noch helfen? Wie kannst du dich einbringen? Aber was auch natürlich für mich dann eine zielführende Arbeit ist, wo ich klar sage, hier werde ich auch noch mal gefordert.

Sie sind promovierter Biologe, ist das korrekt? Was machen sie denn jetzt hier bei action medeor?

Ja, ich bin promovierter Biologe und Toxikologe. Allerdings muss ich dazu sagen, selbst bei Evonik in den letzten Jahren ist dieses Wissen nicht mehr wirklich benötigt worden und als ich jetzt hier mit action medeor in Kontakt getreten bin, hatte ich als Erstes gedacht: „Naja, so ein Biologe, Toxikologe, dieses Fachwissen können die doch gut brauchen.“ Aber ich muss ihnen sagen, jetzt werden andere Eigenschaften und Wissen von mir benötigt.

Da kommen wir gleich zu, zu diesem Wissen, was sie hier einbringen. Aber die action medeor, wie war ihr erster Kontakt? Wie sind sie überhaupt da draufgekommen? Wie war das eigentlich?

Ich muss gestehen, ich habe action medeor nicht gekannt, obwohl ich in Krefeld lebe und 2015 bin ich dann zu action medeor gekommen. Evonik und der Sportverein Adler Königshof vergeben jedes Jahr einen Ehrenpreis an verdiente Bürger. Herr Krüppel, der Vorsitzende vom Sportverein, kam dann zu mir und sagte: „Ja ich habe da einen ganz besonderen Ehrenpreisträger und das ist der Heinz Gommans.“ und Herr Gommans ist Präsident von action medeor gewesen und so habe ich den ersten Kontakt bekommen. In dem Gespräch mit Herrn Gommans muss ich sagen, bin ich infiziert worden von diesem fantastischen Mann, aber natürlich auch von action medeor und so bin ich zur action medeor gekommen.

Und jetzt haben sie sogar hier einen Schreibtisch und mit Ruhestand ist nichts, denn zweimal in der Woche sind sie jetzt hier in Tönisvorst.

Ja, also Ruhestand ist immer noch. Ich genieße, mehr Zeit zu haben, insbesondere für meine Hobbys. Aber es tut mir auch sehr gut, zweimal die Woche regelmäßig hierher nach Tönisvorst zu kommen, mich an meinen Schreibtisch zu setzen und dann entsprechend zu arbeiten.

Und das ganz ohne Sekretärin?

Ja, ich muss sagen, das fällt mir ein bisschen schwer. Aber die Arbeit ist doch etwas anders und von daher funktioniert es.

Kommen wir zur Arbeit. Was machen sie jetzt hier?

Projektarbeit. Ich bin in der Pharmazie bei Frau Dr. Buchkremer angesiedelt und alle Projekte die, so wurde mir am Anfang gesagt, die hier bei action medeor irgendwann mal hätten gemacht werden sollen, aber niemand da war, der das machen wollte und konnte, da hat man gesagt, da haben wir jetzt den Dr. Diener, der kann das ja gerne mal machen. Ja und so habe ich momentan drei Projekte die ich eigenständig bearbeite und da muss ich auch sagen, ich habe sehr gute Unterstützung und freie Hand bei dem was ich hier tue.

Ein Projekt steht hier auf dem Tisch, das kann unser Hörer jetzt nicht sehen, aber wir wollen es mal beschreiben. Das sieht aus wie ein, ich würde sagen, ein Koffer. Der würde auch als Handgepäck noch möglicherweise durchgehend im Flieger. Dieser Koffer ist aber ganz speziell, was ist das?

Das ist eine mobile Dentaleinheit, ein mobiler Zahnbehandlungskoffer und wie sie richtig gesagt haben, das ist sehr kompakt und man kann es ins Flugzeug mitnehmen. Allerdings als Handgepäck mit 28 Kilo, passt nicht mehr ganz. Aber sie haben in diesem Koffer, der wirklich sehr robust ist gegen Schlag und Staub und Wasser geschützt von außen, wenn er verschlossen ist. Wenn sie ihn aufklappen, dann haben sie praktisch all das, was ein Zahnarzt benötigt um seinem Handwerk nachzugehen. Sie können bohren. Sie können Füllungen damit machen, das heißt, es ist auch ein Härtungsgerät mit dabei. Sie können Zahnstein entfernen und sie haben eine Absaugvorrichtung mit dabei. Das heißt also wirklich all das, was für Zahnarzttätigkeiten notwendig ist und das alles in einem sehr kompakten Gerät, auch zu einem recht günstigen Preis und sehr robust. Ziel und Zweck ist es, mit diesem Gerät in Gegenden, in ländliche Gegenden in den Entwicklungsländern zu gehen und dort die Zahnmedizin weiter voranzubringen.

Das hat ja einen konkreten Hintergrund. Dieser Koffer ist von ihnen gefunden worden, weil es gab eine Anforderung, speziell als Beispiel können wir Tansania nennen. Wie sieht die Situation, die zahnärztliche Versorgung in Tansania derzeit aus?

Also drauf gekommen im Endeffekt ist action medeor hauptsächlich durch Professor Jörgens. Professor Jörgens ist ein Zahnarzt aus Düsseldorf, der auch Mitglied bei action medeor ist und hat Daktari for Maasai, ein Verein mit denen er regelmäßig nach Tansania fährt und dort Zahnbehandlungen in ländlichen Gegenden durchführt. Er ist zu uns gekommen, hat gesagt wir brauchen was Robustes. Da muss man in den Land Rover einsteigen können, das muss über eine Schotterpiste gefahren werden, da regnet es mal, verstaubt und trotzdem muss ich das Gerät anschließend wieder benutzen können, ohne dass was kaputtgegangen ist. So haben wir uns um die Geräte gekümmert, haben Geräte verglichen, ausgesucht auf dem Markt. Allerdings gibt es so etwas auf dem deutschen Markt nicht, sondern wir sind dann eben fündig geworden bei einem chinesischen Hersteller. Wir haben Geräte verglichen und mit diesem chinesischen Hersteller haben wir einen sehr guten Partner gefunden mit denen wir das Gerät auch entsprechend weiterentwickelt haben.

Sie waren kürzlich in Tansania an der Universität wo Zahnheilkunde gelehrt wird. Was konnten sie den jungen angehenden Zahnärzte vermitteln und mit an die Hand geben?

Es war ein großartiges Erlebnis für mich nach Tansania zu gehen und an die School of Dentistry in Daressalam. Das ist die Einrichtung wo die meisten Zahnärzte in Tansania ausgebildet werden und diese Situation dort unser Gerät vorzustellen, unsere mobile Dentaleinheit vorzustellen ist auf großes Interesse gestoßen und im Weiteren haben wir natürlich auch Werbung dafür gemacht, dass Zahnärzte oder dann angehende Zahnärzte sich überlegen nicht nur in der Stadt, den Krankenhäusern ihre Tätigkeit auszuüben, sondern wirklich auch in ländliche Gegenden zu gehen und hier mit hätten wir ein Gerät, was ihnen das entsprechend ermöglicht. Wir haben auch die Zusage vom Leiter der Hochschule, dass sie dieses Thema mit in den Lehrplan aufnehmen werden, nämlich „Outreach Dentistry“, also Zahnbehandlung in ländlichen oder abgelegenen Gegenden.

Wie geht das mit diesem Projekt weiter? Das muss ja finanziert werden. Wie viele Koffer braucht man?

Eine richtige Abschätzung wie viele Koffer man braucht können wir momentan nicht machen. Wahrscheinlich ist die begrenzende Zahl erst mal die Anzahl der Zahnärzte, die in Tansania vorhanden sind. Da komme ich auch noch mal auf ihre Frage: In Tansania kommt momentan auf 120.000 Einwohner ein Zahnarzt. Die Weltgesundheitsorganisation sagt, wir bräuchten einen Schlüssel für solche Länder von 7500 Einwohner und einen Zahnarzt. Da sehen sie also jetzt schonmal die große Diskrepanz. Wenn sie dann noch überlegen, dass die meisten Zahnärzte auch noch in der Stadt sind, dann können sie sich vorstellen, wie die Situation auf dem Lande aussieht. Selbst wenn sie mal drüber nachdenken, wenn sie mal Zahnschmerzen hatten, sie waren sehr froh, als ihnen geholfen wurde durch einen Zahnarzt und dieses wollen wir versuchen eben entsprechend zu ermöglichen. Unser werben geht jetzt erst mal in die Richtung, junge Zahnärzte zu motivieren auch zum Beispiel in Gesundheitszentren die auf dem Lande liegen mit einer entsprechenden mobilen Einheit Fuß zu fassen und sich dann später auch dort weiter zu entwickeln. Dazu brauchen wir natürlich auch erstmal die Geräte. Möglichkeit besteht einmal über Spenden. Das wäre natürlich hervorragend, wenn wir das spendenfinanziert hinbekommen würden um dann mit der Hochschule entsprechend die Zahnärzte auszustatten. Die müssten dann natürlich dazu sagen: „Ja wir gehen aber dafür auch in ländliche Gegenden.“

Kommen wir noch mal zurück zum Ehrenamtler Dr. Diener. Sie sprachen eben davon, dass sie noch zwei weitere Projekte auf dem Tisch haben. Ganz kurz angerissen.

Das eine Projekt dreht sich um Abfallentsorgung in Gesundheitseinrichtungen, Krankenhäusern und hier um ganz besonderen Abfälle, nämlich Abfall, der bei der Behandlung von Krebserkrankungen entsteht oder anfällt. Das sind sogenannte Zytostatika Abfälle und die haben eine besondere Gefährlichkeit und müssen besonders entsorgt werden. Hier ist eine Aufgabe gewesen, die Situation in Tansania zu eruieren.

Das andere Projekt noch.

Das andere Projekt, da beschäftige ich mich mit Laborgeräten, die notwendig sind, um zum Beispiel ein Blutbild zu erstellen, biochemische Parameter im Blut zu erfassen und hier was Robustes entsprechend zu suchen und dann möglicherweise an den Markt zu bringen in Tansania, aber auch in anderen Ländern. Was aber für action medeor ganz wichtig ist, einen entsprechenden Support, eine Unterstützung und action medeor hat jetzt ein Techniker eingestellt der dann eben auch entsprechenden Service, Schulung und Wartung durchführen kann.

Eine Frage von Mensch zu Mensch: Ihr Job heute, ihre ehrenamtliche Tätigkeit und ihr Job im vorherigen Leben, sind die vergleichbar? Was macht ihnen mehr Spaß?

Also mehr Spaß gibt es glaube ich nicht. Ich habe jede Herausforderung in meinem Leben bisher gerne angenommen und muss sagen, dass jetzt eine ganz besondere Note hier drin liegt, weil ich relativ viel Freizeit habe und das hier mit einer entsprechenden Entspanntheit und Gelassenheit betreiben kann. Muss ich sagen, war in meinem früheren Job nicht unbedingt immer gegeben. Da war schon mal Spannung drin.

Ja, kann ich mir vorstellen, dass es da auch viel Druck gab. Ich wünsche ihnen persönlich alles Gute, viel Freude bei ihrer Arbeit und gutes Gelingen.

Vielen Dank!

Das war unser Podcast im März. Das Team von action medeor wünscht ihnen einen schönen Frühlingsanfang. Bis bald und tschüss.

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