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Mitschnitt Podcast: Hebammenschule in Sierra Leone

Die ersten 50 Schülerinnen haben ihre Ausbildung zur Hebamme in Sierra Leone begonnen.

Die ersten 50 Schülerinnen haben ihre Ausbildung zur Hebamme in Sierra Leone begonnen. © action medeor

action medeor Mitarbeiter berichten über die Nothilfe für den Jemen und die Eröffnung einer Hebammenschule in Sierra Leone.

Die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Sierra Leone ist eine der höchsten weltweit. Deshalb ist es so wichtig, medizinisches Personal auszubilden. Wie action medeor die Gesundheitsversorgung in dem westafrikanischen Land langfristig verbessern möchte, erklärt Mitarbeiterin Christina Padilla in der Dezember-Ausgabe des action medeor Podcasts.

Außerdem berichtet Dirk Angemeer, Bereichsleiter bei action medeor und zuständig für die Abwicklung der Medikamentenhilfe, über die Nothilfe für die Menschen im Jemen: hier wütet die schwerste Cholera-Epidemie aller Zeiten.

Mehr über die Arbeit der Mitarbeiter im Partner Development und die Nothilfe, die action medeor aktuell im Südsudan leistet, erfahren Sie in der November-Ausgabe unseres Podcasts.

Der Podcast zum Nachlesen

Herzlich Willkommen zur Dezember-Ausgabe unseres Podcasts. Zwei Schwerpunktthemen, beziehungsweise zwei Schwerpunktländer haben wir im Programm: Sierra Leone und der Jemen.

Zunächst nach Westafrika: action medeor versorgt seit seiner Gründung vor über 50 Jahren rund 10.000 Gesundheitsstationen in armen Ländern mit Medikamenten. In den vergangenen Jahren hat action medeor außerdem seine Projektarbeit im Gesundheitsbereich deutlich ausgeweitet. Erst vor kurzem konnte action medeor im Ort Bo in Sierra Leone eine Hebammenschule eröffnen. Mit dabei die Projektreferentin Christina Padilla. Sie betreut das Projekt. Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt und war sehr stark von der Ebola-Epidemie betroffen.

Christina Padilla über die medizinische Versorgung im Land.

action medeor christina padillaIn Sierra Leone ist die medizinische Versorgung katastrophal. Es fehlt an allen Ecken und Enden und vor allem ist in Sierra Leone die Mutter- und Säuglingssterblichkeit eine der Höchsten weltweit. Darum fehlt es insbesondere an Hebammen. Sierra Leone hat über fünf Millionen Einwohner, Ärzte gibt es nur sehr sehr wenige. Das sind 190 insgesamt für diese über fünf Millionen Menschen. Darunter gibt es nur fünf Gynäkologen und um die 300 Hebammen. Das heißt, gerade in der Mutter-Kind-Gesundheit ist eine sehr große Unterversorgung.

Eine Hebammenschule in Sierra Leone. Warum hat sich action medeor für dieses Projekt entschieden?

action medeor hat sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheitssysteme zu verbessern. Hier können wir bei den Hebammen bei der Qualifizierung ansetzen und im Süden ist es besonders wichtig, weil es im Norden und Westen schon eine Hebammenschule gibt. Wir haben jetzt die Dritte im Land eröffnet. Im Süden ist die Versorgung besonders schlimm und deswegen haben wir die in Bo jetzt aufgemacht.

Was fehlt ganz besonders in Sierra Leone? Wie steht es um die Ausbildung im Gesundheitswesen?

Im Gesundheitswesen war es vorher schon katastrophal, vor Ebola. In Sierra Leone war auch bis 2002 noch ein Bürgerkrieg. Deswegen ist es im Land auch schon schwierig gewesen als in 2013 Ebola ausgebrochen ist. So ist nochmal die Unterversorgung von qualifiziertem Personal im Gesundheitsbereich stärker und dringender geworden.

Die Hebammenschule: für action medeor ist der Start des Schulbetriebs ein besonderer Grund zur Freude. Warum?

Wir sind sehr stolz und die Menschen in Bo sind auch wirklich stolz und haben in Interviews, als ich jetzt letztens noch vor Ort war, auch gesagt, dass es ein Privileg ist, eine Hebammenschule im Süden zu haben, der oftmals dann auch vergessen wird. Es sieht so aus, dass Krankenschwestern sich bewerben konnten an unserer Schule und jetzt letzte Woche den Schulbetrieb aufgenommen haben und in den nächsten zwei Jahren dann qualifiziert zu Hebammen ausgebildet werden und dann auch wirklich dadurch, dass es im Süden ist und die meisten aus dem Süden kommen, dass wir dann auch die Hoffnung haben, dass sie dort auch arbeiten werden. Vor allem in den Dörfern und nicht nur in der Hauptstadt Freetown, wo es ja die andere Schule zum Beispiel auch gibt. Wir arbeiten mit der Caritas Bo zusammen vor Ort und haben schon vorher Kontakt zur Caritas gehabt. Während der Ebola-Zeit hat sich das ganze intensiviert einfach aufgrund des Bedarfs und da ja seit Ausbruch der von Ebola über 11.000 Menschen in den drei betroffenen Ländern in Afrika verstorben sind und da war die Caritas auch schon sehr aktiv. Deswegen haben wir dann beschlossen, dass wir mit diesem verlässlichen lokalen Partner im Süden des Landes die Hebammenschule aufbauen. Vor Allem weil Caritas Bo auch große Erfahrung im Bildungsbereich hat und wir schlagen jetzt die Brücke zwischen Gesundheit und Bildung um das Gesundheitssystem in Sierra Leone nachhaltig zu verbessern.

Wann werden sie das nächste Mal nach Sierra Leone reisen?

Ich war in den letzten zwölf Monaten vier Mal vor Ort, weil wir eine sehr intensive Planungs- und Aufbauphase hatten. Jetzt steht das Ganze, die Gebäude sind da, wir haben Lehrkräfte, Personal ist eingestellt, die Schülerinnen sind jetzt auch schon in der Schule und lernen fleißig und ich werde in den nächsten Monaten das nächste Mal fliegen. Wann genau steht noch nicht fest. Vor Allem weil im März die Parlamentswahlen in Sierra Leone sind und ich dann entweder vorher oder nachher fliege.

Die Kurznachrichten

action medeor startet seine Winterhilfe für Syrien. Millionen Menschen leben nach fast sieben Jahren Bürgerkrieg auf der Flucht. Sie benötigen dringend humanitäre Hilfe. Vor allem die Kinder sind geschwächt und leiden unter Atemwegs- und Durchfallerkrankungen. action medeor bereitet eine große Sendung mit Antibiotika, Schmerzmitteln, Verbandsstoffen und Winterdecken vor.

Die Lage in Somalia ist nach vier aufeinanderfolgenden Dürren dramatisch. Die Preise für Nahrungsmittel und Trinkwasser sind stark angestiegen. Viele Menschen müssen wegen schwerer Mangelernährung, Cholera und Durchfallerkrankungen behandelt werden. Im Rahmen der Initiative „Eine Welt Ohne Hunger“ hat action medeor zusammen mit einem lokalen Partner in den vergangenen Wochen Ziegen und Saatgut in Zentralsomalia verteilt. Dadurch können sich die Menschen besser ernähren und durch den Verkauf von Milch, Fleisch und Ernteerträgen medizinische Dienste in Anspruch nehmen.

Unser zweites Thema: Hilfe für den Jemen Dirk Angemeer, Bereichsleiter bei action medeor, kümmert sich um die Hilfe für die Menschen im Jemen. Er hat mit vielen Partnern in Armutsregionen Kontakt und organisiert die Hilfe für Menschen in akuter Not.

action medeor mitarbeiter angemeerIm bitterarmen Jemen tobt seit 2015 ein Bürgerkrieg um die Macht in der Region. Zehntausend Menschen sind bisher ums Leben gekommen und mehr als zwei Millionen Menschen sind vertrieben worden. Das Gesundheitswesen ist zusammengebrochen. Nach Angaben der Vereinten Nationen stirbt alle zehn Minuten ein Kind unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten.

Herr Angemeer, seit Anfang November werden Hilfslieferungen für den Jemen blockiert. Worunter leiden die Menschen im Jemen besonders?

Die Menschen im Jemen leiden vor allem unter Hunger. Wir haben im Moment sieben Millionen Menschen, die unter Hunger leiden. Bei einer Bevölkerung von 28 Millionen ist es jeder Vierte. Die Hälfte der Bevölkerung im Jemen ist jünger als 15 Jahre, darum sind auch viele Kinder betroffen. Uns wurden in fünf Distrikten aus dem Jemen Fälle von Diphterie gemeldet und natürlich das Schlimmste: wir haben eine Million Cholera-Infizierte.

Eine unglaubliche Zahl. Fast eine Million Cholera-Fälle.

Es ist eine unglaubliche Zahl, das ist historisch. Diese Zahlen wurden bislang noch nie erreicht. Vor dem Hintergrund, dass der erste Cholera-Fall bereits 2016 gemeldet worden ist und dass Cholera relativ leicht zu behandeln ist, ist das dramatisch. action medeor hat medizinische Hilfsgüter auf den Weg gebracht.

Wie erreichen sie die Menschen vor Ort? Wie funktioniert das? Ist das nicht sehr schwierig?

Die Logistik zur Verladung von Hilfsgütern in den Jemen ist kompliziert. Wir nutzen hauptsächlich die Seehäfen im Jemen, das ist Hudaida und Aden. Wobei Hudaida zurzeit geschlossen ist, weil dort geschossen wird. Es kann aber gut sein, dass der nächste Woche wieder offen ist.

Herr Angemeer, was kann ich als Einzelner tun um zu helfen?

Der Einzelne kann sich informieren, nicht nur die Schlagzeilen betrachten, weiterlesen im Internet. action medeor hat einen Spot produzieren lassen, „Hilf den Helfern“, der genau die Situation im Jemen widerspiegelt und wir hoffen, daraus mehr Spenden zu generieren und dann natürlich auch mehr Hilfe leisten zu können.

Wenn auch sie helfen wollen, ganz einfach: schauen sie einfach auf unserer Homepage medeor.de vorbei. Dort finden sie alle Informationen, auch wie sie spenden und damit helfen können. Das war unser Podcast im Dezember. Wir sagen „Tschüss“. Wir wünschen ihnen allen da draußen eine besinnliche Weihnachtszeit und nur gute Nachrichten für das neue Jahr. Wir hören uns 2018 wieder, sie sind doch dabei, oder?

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