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Hingeschaut – action medeor Blog Habari za Tanzania: Von Regen und Verkehrschaos

No 2 - Mai 2024: Regen, Regen, Regen

Anfang April 2024 ist Christoph Bonsmann als "Generaldirektor Afrika" für action medeor nach Tansania gezogen - gemeinsam mit Ehefrau Lorna und Katze Kenia. Ab sofort ist er zuständig für die action medeor-Standorte in Tansania und in Malawi. Hier berichtet er von den großen und kleinen Geschichten aus dem Alltag in der neuen Heimat.

240522 Hingeschaut Tansania CBO 2Natürlich wussten wir, dass wir mitten in der Regenzeit in Tansania ankommen werden. Wir wussten auch, dass diese Regenzeit ungewöhnlich ergiebig ist aufgrund des El Niño Phänomens. In der Nacht in der wir ankamen war es erfreulicherweise trocken. Das bleib aber die Ausnahme über die nächsten 4 Wochen, in denen es jeden Tag stundenlang regnete. Regen am Morgen, Regen am Abend. Regen in der Nacht auf unser Blechdach. So laut, dass man nicht schlafen kann. Regen der der den Asphalt von den Straßen löst, Regen der tiefe Furchen in die Landschaft gräbt.

Regen in einer Großstadt wie Dar es Salaam ist ein wenig wie Schneefall in Köln. Ja, man weiß es passiert (immer seltener in Köln) aber es führt immer zu Chaos. In Dar es Salaam flutet der Regen Kanäle und Straßen in Minutenschnelle. Staubstraßen innerhalb und außerhalb Dar es Salaams werden zur Schlammfalle.

Tiefergelegene Wohngebiete werden überschwemmt. Die Bewohner kennen es.  Frisch eingereiste Muzungus (Europäer) sind stark beeindruckt und eingeschüchtert. Als Mitfahrer bei Starkregen überlegt man dann, wo genau der Luftansaugstutzen eines PKW liegt und ab welcher Strömungsgeschwindigkeit ein Auto von der Straße gespült wird.  Zum Glück ist Gerald Masuki, unser Landesdirektor in Tansania, ein guter und erfahrener Autofahrer. Im Schneckentempo kamen wir an unser Ziel. Für 22 km haben wir 4 Stunden benötigt.

Das war in der ersten Woche und ich fuhr noch nicht selbst Auto. Autofahren in Dar es Salaam ist, wie durch einen Wespenschwarm und eine wütende Elefantenherde gleichzeitig zu fahren. Ziemlich einschüchternd. Die Wespen stehen für 125 Kubik Mopeds, die hier PikiPiki oder BodaBoda genannt werden. „A BodaBoda can carry anything“, sagt man hier.

240522 Hingeschaut Tansania CBO 3Diese BodaBodas überholen links und rechts, fahren gerne auf der falschen Straßenseite, queren Straßen in einem flachen Winkel und ein Mindestabstand wird als Einladung ausgelegt. Praktisch alles, was ich in Deutschland gelernt habe, zählt nicht mehr. Die Elefanten stehen für die Überlandbusse, die gnadenlos das Recht des Stärkeren einfordern. Mit Lichthupe und dichtem Auffahren wird man gebeten eine neue dritte Fahrspur in der Mitte freizugeben. Auch das ist für mich neu. Dritte und manchmal vierte Fahrspuren (auf zweispurigen Straßen) entstehen hier in Fahrtrichtung oder Gegenrichtung für mich spontan und unerwartet. Am Straßenrand sind dann noch Fußgänger, Fahrradfahrer, Handkarrenfahrer und wartende Kleinbusse, die überraschend ein und ausscheren.

Unsere erste eigene Fahrt nach Dar es Salaam City war an einem Sonntagmorgen. Sonntags wird hier, wie es sich gehört, zur Kirche gegangen. Leerer sind die Straßen. Aber leerer heißt nicht leer. Man bräuchte einen 360-Grad-Blick, um alles im Blick zu haben. Um es kurz zu machen: Alle haben die Ausfahrt überlebt, das Auto hat etwas unter den übersehenen Schlaglöchern gelitten und mein T-Shirt war komplett durchgeschwitzt - trotz Klimaanlage.

Was mich am meisten beeindruckt, ist, wie gelassen die tansanischen Fahrer und Fahrerinnen mit dem Chaos umgehen. In Deutschland käme man aus dem Schimpfen am Steuer gar nicht mehr heraus. Hier hingegen wird nur bei wirklich haarsträubenden Manövern mit der Zunge geschnalzt und leicht mit dem Kopf geschüttelt. Inzwischen waren wir schon oft in der Stadt unterwegs. Erstaunlicherweise kann man sich sogar an diesen unglaublichen Verkehr gewöhnen. Was bleibt einem auch übrig.

In diesem Sinne: Kwaheri – Mit Glück!
Christoph & Lorna



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Annegret Neuschäfer-Staudt, Spenderin