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Hingeschaut Frauen stärken: Hebammenschulungen in Guatemala

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    Projektleiterin Charlotte Nelles war im März 2015 in Guatemala, wo action medeor mit der lokalen Organisation Ak'Tenamit Trainerinnen ausbildet, damit diese traditionelle Geburtshelferinnen weiterbilden können.
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    "Danke, dass ihr an mich gedacht habt und Vertrauen in mich habt!" – Die Frauen sind durch die Teilnahme an den Kursen viel selbstbewusster geworden.
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    "Man kann ernten, was man sät." – Die Fortbildung trägt bereits Früchte. Die Teilnehmerinnen freuen sich darauf, ihr Wissen anzuwenden und ihre Erfahrungen weiterzugeben.
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    "Als ich die Chance bekam, das Praktikum zu machen, verstand ich auf einmal alles viel besser." – Im Rahmen der Fortbildung absolvieren die Frauen ein Praktikum in einem Krankenhaus.
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    "Wir Frauen untereinander kennen uns, erzählen uns alles." – Zum Erfolg des Projektes trägt auch das gute Verhältnis der Frauen untereinander bei.

Eine sichere Geburt ist für viele Frauen in Guatemala nicht selbstverständlich. Die Müttersterblichkeitsrate gehört zu den höchsten in Lateinamerika und ist besonders in indigenen Gemeinden erschreckend hoch. Gemeinsam mit der lokalen Organisation Ak’Tenamit bildet action medeor Trainerinnen aus, damit diese traditionelle Geburtshelferinnen weiterbilden können.

„Die Ausbildung von traditionellen Geburtshelferinnen zu verbessern ist wichtig, um Frauen auch in sehr abgelegenen Regionen eine sichere Schwangerschaft und Geburt zu gewährleisten“, erklärt Projektleiterin Charlotte Nelles, die im März 2015 zu Besuch in Guatemala war. Doch die Fortbildungen wirken sich nicht nur positiv auf die Gesundheit von Schwangeren und Säuglingen aus. Auch die traditionellen Geburtshelferinnen profitieren enorm von den Kursen – sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht. 

Fehlende Anerkennung

Traditionelle Geburtshelferinnen – auf Spanisch comadronas genannt – sind eine wichtige Stütze für Guatemalas löchriges Gesundheitssystem. In Regionen, in denen der nächste Arzt Stunden entfernt ist, sind sie für die Schwangerschaftsvor- und -nachsorge zuständig, führen Geburten durch und entscheiden, wann ein Arztbesuch im Falle einer Risikoschwangerschaft unumgänglich ist. Trotzdem wird die Tätigkeit der Frauen oft nicht gewürdigt, mitunter werden sie sogar diskriminiert und als schmutzig angesehen – sei es wegen ihrer häufig indigenen Herkunft, ihrer Armut oder ihres niedrigen Bildungsstandes. 

Gestiegenes Selbstbewusstsein

Durch die Weiterbildung werden die comadronas selbstbewusster, ihr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten wird gestärkt. Im Rahmen der Fortbildung absolvieren sie ein Praktikum in einem öffentlichen Krankenhaus, bei dem sie ihre Kenntnisse ausbauen  können:  „Als ich die Chance bekam, das Praktikum zu machen, verstand ich auf einmal alles viel besser“, berichtete eine Teilnehmerin. 

Auch die Arbeitskleidung des Klinikpersonals, die die Geburtshelferinnen während ihres Praktikums tragen, führt zu einem wichtigen Perspektivwechsel  und einer veränderten Selbstwahrnehmung. „Drei Teilnehmerinnen wollen sich im Anschluss an den Kurs sogar zur Krankenschwester weiterbilden lassen“, berichtet Projektleiterin Charlotte Nelles. „Sie sind voller Elan und Pläne und haben beschlossen, ihre Träume zu verwirklichen. Daran sieht man, dass die Ausbildung und das Vertrauen, das man den Frauen vermittelt, bereits Früchte trägt.“ 

Großer Schritt in Richtung Emanzipation

Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Schwangerschaft und Geburt. In den Fortbildungen setzen sich die Geburtshelferinnen auch mit Themen wie Gender und Rechte, Hygiene und Aufklärung auseinander. Das erworbene Wissen führt zum Hinterfragen althergebrachter Geschlechterrollen, die in Guatemala vor allem in ländlichen Gebieten noch stark verankert sind. Die Frauen erkennen, dass ihre Rolle in der Familie weit über die der Mutter und Hausfrau hinausgeht: Sie üben eine wichtige und anerkannte berufliche Tätigkeit aus und tragen damit zum Familienunterhalt bei. Das lässt sie selbstbewusster auftreten, auch in der Partnerschaft, wie eine Teilnehmerin erkannte: „Damit nicht nur der Mann bestimmt, sondern beide gemeinsam entscheiden.“  

 Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier