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Hingeschaut Kongo: Besuch im Flüchtlingslager

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    Im Juni 2015 hat action medeor-Mitarbeiter Emmanuel Limi ein Flüchtlingslager im kongolesischen Luvungi besucht. Dort haben Flüchtlinge aus dem benachbarten Burundi Zuflucht gefunden.
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    Die Flüchtlinge leben in einfachen selbst gebauten Strohhütten.
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    Von weitem sehen die provisorischen Hütten aus wie Strohballen. Sie bieten den Flüchtlingen kaum Schutz vor der Witterung.
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    Im Flüchtlingslager leben auch viele schwangere Frauen und Säuglinge, die dringend medizinisch versorgt werden müssen.
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    action medeor-Mitarbeiter Emmanuel Limi notiert sich, was die Flüchtlinge am dringendsten benötigen.

action medeor-Mitarbeiter Emmanuel Limi hat ein Flüchtlingslager in Luvungi/DR Kongo besucht und berichtet von seinen Erlebnissen.

Das ostafrikanische Burundi wird seit April von politischen Unruhen erschüttert. Inzwischen sind hunderttausende Burundier in die Nachbarländer geflohen. Als Projektreferent Emmanuel Limi im Juni ein Flüchtlingslager besucht, ist er erschüttert von den Zuständen vor Ort. 

Das Auto hält mitten auf einem Feld in Luvungi. Ich sehe nichts als Berge von Stroh um mich herum. „Wo sind wir denn hier?“, erkundige ich mich beim Fahrer. Die knappe Antwort: „Wir sind angekommen.“ „Ist das Ihr Ernst?“, frage ich verwundert, denn eigentlich sind wir gekommen, um ein Lager für burundische Flüchtlinge zu besuchen – doch ich kann nichts erkennen. 

Wir nähern uns den Strohballen und erst jetzt wird mir klar, dass es sich um selbst gebaute Unterkünfte handelt. Ich bin schockiert. Ich habe erwartet, dass die Flüchtlinge in Zelten leben. Stattdessen hausen etwa 700 Menschen seit Wochen in provisorischen Hütten – unter ihnen auch Alte, schwangere Frauen und Säuglinge. Die kongolesischen Behörden haben zwar versprochen, die Flüchtlinge in ein Zeltlager umzusiedeln, passiert ist jedoch nichts. 

Katastrophale sanitäre Bedingungen

Ich versuche sachlich zu bleiben, doch es fällt mir schwer angesichts der bedrückenden Szenen um mich herum. Die Menschen sind komplett sich selbst überlassen. Einige Männer sind mit dem Bau neuer Strohunterkünfte beschäftigt. Ganz in der Nähe kochen Frauen über einem offenen Feuer. Ein bizarres Bild: Binnen kürzester Zeit könnten die Funken das ganze Lager in Brand setzen.

Es gibt keine sanitären Einrichtungen, keine Kleidung oder Decken, kein sauberes Wasser. Die Flüchtlinge trinken die dreckige Brühe aus einem nahe gelegenen Fluss. Er ist eine Brutstätte für gefährliche Moskitos, die Malaria übertragen können. Viele Menschen leiden bereits Malaria oder Durchfall, doch sie können nicht behandelt werden, weil es keine Medikamente gibt. Auch Nahrungsmittel sind knapp. Ein Bild, das sich mir besonders einprägt, ist das eines halbnackten Kindes in einer der Strohhütten, das einen wässrigen Brei aus Resten von Mais und Bohnen isst. Es ist schrecklich, das zu sehen. 

Hilfe läuft an

Sofort nach meiner Rückkehr beginne ich, mit unserem lokalen Partner AFPDE Hilfsmaßnahmen für die burundischen Flüchtlinge in die Wege zu leiten. Wir stellen Zelte auf und verteilen Nahrungsmittel und Moskitonetze an die Menschen. Außerdem errichten wir eine mobile Klinik und versorgen zwei nahe gelegene Krankenstationen mit dringend benötigten Medikamenten. 

Es ist ein gutes Gefühl, den Flüchtlingen zumindest ein wenig helfen zu können, doch die Eindrücke aus dem Flüchtlingslager begleiten mich noch lange. Das war die bewegendste Projektreise, die ich bisher gemacht habe.