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Hingeschaut Hilfe für Flüchtlinge im Nordirak

Anfang August letzten Jahres fielen IS-Milizen in das Sinjar-Gebirge im Nordirak ein, töteten  Zivilisten und verschleppten Frauen.

Nur das Wenigste konnten die Familien, unter ihnen waren Yesiden, Christen, Turkmenen und auch Araber, mitnehmen, als sie vor der IS- Terrormiliz flohen. Rund 630.000 Menschen landeten daraufhin in Dohuk, einer Provinz in der autonomen Region Kurdistan im Irak.

Die ersten Wochen verbrachten viele Familien irgendwo im Freien. Bald darauf wurden die meisten in öffentlichen Gebäuden oder offiziellen Flüchtlingscamps untergebracht. Andere sind bei Verwandten untergekommen oder leben immer noch in wilden Camps. Obwohl die kurdische Regionalregierung versuchte, nach Kräften zu helfen, reichte es nicht, um alle Flüchtlinge angemessen medizinisch zu versorgen.

Prof. Dr. Hüseyin Bektas von der Medizinischen Hochschule Hannover reiste mit etlichen Kollegen in die Region, um Hilfe zu leisten. action medeor sendete sofort 3,5 Tonnen Medikamente per Luftfracht nach Erbil, die in das zentrale Lager in Dohuk weitertransportiert wurden. Von hier aus wurden die Apotheken in den Flüchtlingslagern, Krankenhäuser in der Region und Helfer, wie auch das Ärzte-Team um Prof. Bektas, mit Medikamenten versorgt. Zehn Mediziner, drei Krankenschwestern und eine Apothekerin aus Deutschland, England, Schweden und der Türkei waren einem Hilfeaufruf des Verbandes der kurdischen Ärzte in Deutschland e.V. gefolgt, um vor Ort mitzuhelfen.

Die Ärzte besuchten sieben Orte im Norden des Irak, an denen Flüchtlinge Zuflucht gesucht hatten. Überall herrschten die gleichen schlechten Bedingungen: Zeltlager, notdürftige Unterkünfte in Baracken, oft schlimme hygienische Verhältnisse. Die Menschen besaßen nur noch ihre viel zu dünne Sommerkleidung, die kaum vor der nächtlichen Kälte schützte. Viele Mädchen und Jungen liefen barfuß und verletzten sich am herumliegenden Müll. Wegen der erlittenen Strapazen haben die meisten Flüchtlinge gesundheitliche Probleme. Besonders die Kinder leiden an Durchfall, Dehydration und Bronchitis. Bei den Erwachsenen sind es oft chronische Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die dringend weiterbehandelt werden müssen.

Weitere Hilfslieferungen erreichten in den letzten Monaten unter anderem Dohuk und Erbil. Die Pakete enthielten insgesamt über 15 Tonnen verschiedener Medikamente im Wert von rund 170.000 Euro. Als nächstes wird action medeor außerdem winterfeste Zelte und Decken im Wert von rund 100.000 Euro packen, die die Flüchtlinge wegen des Winters dringend benötigen.

Für seine Hilfe ist das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor dringend auf Spenden angewiesen.