Kolumbien: Sexuelle Aufklärung
Das Leben in Kolumbien ist meist geprägt von Gewalt: Seit über 40 Jahren dauert ein Bürgerkrieg an, in dem paramilitärische Gruppierungen, Drogen und gewaltsame Übergriffe an der Tagesordnung sind. Dabei ziehen sich Drogenkartelle und Guerilla-Gruppen häufig in die Berggebiete Kolumbiens zurück. Die dort lebende indigene Bevölkerung leidet unter den Gewaltakteuren.
Das Projekt im Überblick
- Ort: Toribio, Silvia, Caldono/Cauca/Kolumbien
- Ansprechpartnerin: Susanne Schmitz
- Laufzeit: 1.7.2010 bis 30.6.2013
- Wie viele Menschen profitieren: 114.000
Insbesondere junge Menschen sind gefährdet: Sie werden von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert, Opfer sexueller Übergriffe oder haben freiwillig sexuellen Kontakt zu diesen Akteuren. Es kommt zu ungewollten Schwangerschaften und Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten, darunter HIV/Aids. 28 Prozent aller jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren im Department Cauca waren bereits einmal schwanger – gewollt oder ungewollt. Die Zahl der Frauen, die vergewaltigt oder sexuell bedrängt oder missbraucht wurden, auch innerhalb ihrer eigenen Familie, ist erschreckend hoch.
Multiplikatoren reden über Sexualität und Gewalt
Zusammen mit der Partnerorganisation Taller Abierto will action medeor die Menschen in der Bergregion Toribío über die Gefahren und ihre Rechte aufklären und sie so vor Krankheit und Leid schützen: Mütter- und Kindergesundheit, ungewollte Schwangerschaften, Gewalt in der Familie, Verhütung, Familienplanung und sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV/Aids sind die Themen des Projekts.
Begonnen haben die Aktivitäten 2008 in der Region Toribío, 2010 sind sie auf zwei weitere Bezirke ausgeweitet worden. Die Arbeit im Projekt basiert auf der Ausbildung von Präventions-Multiplikatoren. Das sind größtenteils junge Menschen, aber auch Amtsträger wie Lehrer, Krankenschwestern und Dorfvorsteher, die lernen, was sexuelle Gewalt und sexuell übertragbare Krankheiten sind und wie man sie verhindert. Sie sind Mitglieder der indigenen Gemeinden und klären ihre Familien, Nachbarn und Freunde über die Gefahren und Vorsorgemöglichkeiten von sexueller Gewalt und sexuell übertragbaren Krankheiten auf.
Seit 2011 sind 330 Multiplikatoren ausgebildet worden, weitere 70 befinden sich noch in der Fortbildung. Zusammen erreichen sie rund 8.000 Mitbürger in direktem Kontakt. In den nächsten Jahren sollen durch Informationskampagnen und Aktionen etwa 106.000 Menschen aufgeklärt werden. Zusätzlich hilft seit Juli 2011 in jeder Gemeinde eine Erstberatungsstelle bei Fragen zu sexueller Gewalt und sexuell übertragbaren Krankheiten weiter. Hier bieten Multiplikatoren Sprechstunden an, um insbesondere Jugendliche mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
So können Sie helfen
- 700 Euro betragen die Honorarkosten für Verwalterinnen, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und eine Anwältin, die die Ausbildung der Multiplikatoren übernehmen.
- Auf 170 Euro belaufen sich die Fahrtkosten für eine Multiplikatorin im Jahr.
- 100 Euro kosten die Arbeitsmaterialien für eine Frau für ein Aufklärungsseminar.
- 75 Euro beträgt das Gehalt einer Sozialarbeiterin für 10 Stunden, die Aufklärungsarbeit leisten.



